So, jetzt ist es offiziell und Mesut Özil verlässt uns und geht zu Fener nach Istanbul. Sein alter Lieblingsverein. Passt dann ja. Für alle. Arsenal spart ein bisschen Geld und hat das Thema endlich on der Backe. Wobei man sich immer fragen wird, was sich der Verein die letzten drei Jahre gedacht bei der ganzen Sache (bzw. hat in der Zeit bei überhaupt irgendwer, irgendwann substantiell nachgedacht?), aber sagen wir mal so, immerhin haben wir zur gleichen Zeit nicht Alexis Sanchez einen Vertrag zu völlig absurden Konditionen (500k/Woche) gegeben, für mehr oder weniger null Ertrag (gut, ein Klaviervideo ..) und ihm 50 Millionen ausgezahlt (für zwei Restjahre Vertrag), damit er endlich geht … 

„If you love football, you love Mesut Özil“ hat Arsene Wenger mal gesagt. Und stimmt, ging vielen so, anderen nicht so ganz („Wie der schon guckt“, „Die Körpersprache ist irgendwie so Komisch“), auf jeden Fall haben sich an ihm schon immer die Geister geschieden. Ich war immer jemand, der Mesut fast bis auf´s Blut verteidigt hat. Warum? nun, er hat in meinen Mannschaften gespielt: für die Nationalelf und später v.a. für Arsenal. Einer von uns. So sehe ich das. Was er jetzt bei Fener macht oder nicht, ist mir herzlich egal. Ich habe seine Spielweise gesehen und ein bisschen verstanden und in vielen Diskussionen kam im Schnitt raus „Ich mag ihn nicht“ und das fand ich immer ungerecht. Mesut hätte drei Millionen Tore für uns schiessen können und manche würden immer noch was von „Glück gehabt, gute Mitspieler etc“ murmeln, so isses einfach.

Fußball sieht bei Mesut oft so verdammt einfach aus, dass man eben denkt, da muss doch noch mehr gehen. Und klar ist er ein Luxusspieler, für einen wie ihn brauchst du kompetente Leute um ihn herum – wenn er die bei Arsenal hatte, lief es zauberhaft, wenn nicht, war es schon mal zäh bis unerträglich. Er ist aber auch ein Spieler, der andere besser machen kann. Alexis ist mit ihm zum Weltklassespieler geworden, nur um ohne ihn nicht ansatzweise daran anknüpfen zu können. Und er ist ein Spieler, den man im Stadion sehen muss, um zu verstehen, was er so macht. Er ist z.B. ständig unterwegs, wenn auch gerne im Trab, aber beschäftigt damit Gegenspieler. Vor einem Jahr wurde Lampard gefragt, warum Chelsea Arsenal in Überzahl nicht dominieren konnte und seine Antwort war, dass das Laufspiel von Özil seine Aussenspieler so sehr beansprucht hat, dass sie sich nicht wie üblich ins Angriffsspiel einschalten konnten. Spannende Aussage und kann ich ob vieler Stadionbesuche bestätigen. Gibt vieles, was du im TV nicht siehst, bestes Beispiel Halbfinale gegen Atletico, wir spielen super, hätten klar gewinnen müssen, Team superdominant, nur Özil sieht man kaum. Im TV. Shitstorm entsprechend. Realität: Diego Simeone (der entgegen MÖ ja als ´echter Kerl´ durchgeht) hat entschieden, dass Mesut konsequent in doppelte Manndeckung genommen wird. Kam er in Ballnähe, sprang sofort ein Dritter hinzu (Grieszman in der Regel). Das haben sie auch in Unterzahl bis zum Schluss durchgezogen. Dadurch wurde er kaum anspielbar und wenn, ging nur one touch in schneller Bewegung. Ergo war er pausenlos unterwegs und hat gecheckt, wie weit er seine beiden Schatten dadurch vom Spielgeschehen wegziehen kann. Das war tatsächlich faszinierend zu sehen und wie ein Spiel im Spiel. Auf jeden Fall hatten wir dadurch viele Räume, die v.a. Ramsey weidlich genutzt hat. War so nur im Stadion zu sehen – und unterm Strich ist es ja so, dass Mesut vor Ort in der Regel abgefeiert wurde, denn da kriegt man sowas ja mit. Und auch manche kleine Dinge, die nur technisch so begabte Spieler wie Mesut hinkriegen. Bei uns so gesehen vielleicht noch von Spielern wie Bergkamp, Henry oder Cazorla. Spieler, die den Unterschied machen (können), die mehr wert waren/sind, als die reine Statistik hergibt. Spieler, die v.a. auch bei „Pre-Assists“ oder „Chances Created“ weit vorne liegen, nicht nur direkten Torbeteiligungen. Aber selbst da liegt Mesut mit knapp 50% seiner Spiele für uns (bei der Nationalelf sind´s sogar weit über 60%) auf dem Papier gar nicht so schlecht. Das Ende war nicht schön (spannend aber, wie alle Mitspieler, anders als bei Alexis, ihn mit netten Worten verabschiedet haben), aber was wird wohl bleiben? natürlich die guten Momente, ist doch klar. So wie viele Gooner mit Adams, Henry oder Fabregas großgeworden sind, so war für viele jetzt Özil ein Bezugspunkt. Was werden die in zehn Jahren über Arsenal sagen? oder andersherum: eine der großen Arsenal-Legenden ist Liam Brady. Arsenal damals auf dem Papier nicht der Rede wert, in der Liga Mittelmaß, man ist eher ein Pokalteam, aber von vier Endspielen gingen drei verloren. Überzeugend klingt das wirklich nicht. Aber er konnte am Ball mehr als andere am Glas – und daran erinnern sich die Altfans nur all zu gerne …

Anyway, MÖ10 ist Geschichte, wir blicken in die Zukunft und wenn nicht alles täuscht, wird die 10 demnächst von Martin Odegaard getragen. Kann man sich kaum besser ausdenken …

Heute abend gibt es wieder ein Spiel in Southampton. Sehr schade, dass Mikel Arteta dieses als wichtiger erachtete als das am letzten Samstag. Unsere Aufstellung war eine Einladung an Soton. Umstellung der Abwehr, okay, das war nicht das Problem (obwohl Soton natürlich bezugt Cedric´s ungewohnte Seite angegriffen hat), aber davor so ein undynamisches Mittelfeld aufzustellen, ist schon krass (wann endlich greifen „Fußballerische Gründe“ auch bei Willian?). Da hätten uns auch Lewandowski, Ronaldo und Auba im Sturm kaum was genutzt – hätten ja keine Bälle gekriegt … ja, schade, raus aus dem Pokal und damit der einzig realistischen Chance auf einen Titel (und possibly Europa). Gut, wenn heute eine unfassbare Siegesserie in der Liga startet, dann …

UP THE ARSE!

Bildergebnis für martin odegaard

 

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