„We all live in a Yellow Submarine …“

Unser Saisonrückblick kommt, aber wenn Santi Cazorla gefeiert wird, sind wir natürlich dabei … was für ein Erfolg für Villareal – ist ihr erster Titel überhaupt (!) und sie sind jetzt die kleinste Stadt, die je einen Europacup geholt hat. Was da seit langem geleistet wird, ist extrem beachtlich. Mit 50.000 Einwohnern so groß wie Heidenheim und im Einzugsgebiet von Valencia gelegen, das selber zwei Erstligisten hat. Quasi David gegen Goliath gestern – wenn dieser dann auch noch Man Utd ist, ist das Ergebnis umso schöner …

Vor allem nach diesem ganzen Trauerspiel um die ESL war das zudem der einzig richtige Ausgang. Das milliardenschwere Starensemble aus Manchester kriegt den Cup nicht einfach so und schon mal gar nicht, wenn sie wie der letzte Dreck spielen. Das war echt entwürdigend schlecht. Nicht, dass Villareal aufsehenerregend gut gespielt hätte, im Gegenteil, aber sie sind, zumindest in Europa, ganz offensichtlich sehr gut darin, den Gegner aus dem Spiel und ihm die Lust an diesem zu nehmen. Oder anders gesagt: sie ziehen ihn auf ihr Level runter und lassen ihn dann alt aussehen. Klappte gegen uns auch ganz gut …

Das Spiel war echt richtig schlecht und dann auch noch 120 Minuten davon. Aber das Elferschiessen, meine Fresse, habe ich so noch nicht gesehen – andersrum schon: in den 1990ern gab es mal ein Endspiel Barca-Bukarest (?), das absurd schlecht war und beim Elferschiessen gingen die ersten 6 oder so allesamt nicht rein, gestern hingegen … und full props to Francis Coquelin: alle 14 haben vorher verwandelt, alles hängt an ihm und er jagt das Ding ganz entspannt in den Winkel. Kann man mal so machen. Und das ausgerechnet MU nach Elfern verliert (alleine seit Solksjaer da ist, hatten sie 49 Elfer, AFC ganze 17 – Pool 20 etc), ist nun wirklich ´Poetic Justice“.

Wir können jetzt immerhin sagen, dass wir gegen den späteren Sieger ausgeschieden sind 

Es gibt ja zwei Regeln, wenn du die EL gewinnen willst: 1. Hole Unai Emery; 2. Aber nur, wenn du nicht Arsenal bist …

Ach ja, Unai Emery – er ist ganz sicher ein sehr guter Trainer, wie jetzt wieder zu sehen, aber richtig funktionieren tut er nur in Spanien. In Moskau flog er nach wenigen Monaten, in Paris war man auch froh, als er weg war und in London ist er nie wirklich angekommen. Man denke nur, wie verkrampft und unlocker er immer wirkte und wie locker und entspannt er jetzt wieder rüberkommt (zumindest, wenn er spanisch sprechen kann). Als Spanier englisch zu lernen und sprechen, ist ziemlich schwer, er hat sich da aber voll reingeschmissen und wurde zum ´Dank´ dafür verarscht, weil er manche Worte komisch oder falsch aussprach.

Vor allem hatte er auch die undankbare Aufgabe, der direkte Nachfolger von Arsene Wenger zu sein. Von AW war sicher die letzte Saison überflüssig (was aber mit schlechter bzw. nicht vorhandener Club-Planung zu tun hat), aber Arsenal stand ja unter ihm für einen gewissen Spielstil und da passte Unai Emery mit seinem anderen Ansatz eigentlich von vornherein nicht ins Bild. Aber Raul Sanllehi (unsere Nemesis ..) hat ihn gegen internen Widerstand durchgeboxt, wohl weil er einen spanischen Landsmann dazu holen wollte. Die ersten Monate waren ja noch gut, weil die Ergebnisse stimmten, der Fußball hingegen war selten prickelnd (außer bei Fulham ..). EL klappte selbstredend gut, bis zum Endspiel – das wurde mit einen kruden Leistung weggegeben und auch die CL-Quali wurde auf absurde Weise verspielt. Der Start der nächsten Saison taumelte von einem Fiasko zum nächsten, so dass der Abschied folgerichtig war. Unai Emery in England wirkte ein bisschen wie ´Fish out of water´, in Spanien ist er wieder in seinem Element. ´Schuster, bleib bei deinen Leisten´, könnte man sagen, aber wenn das heisst, mit einem spanischen Verein andauernd die EL zu gewinnen, gibt es sicher Schlimmeres …

Ansonsten: Arsenal ist es selbst mit Emery nicht gelungen, die EL zu gewinnen, andersherum hat es Unai aber nicht geschafft, mit Arsenal den FA-Cup zu gewinnen – das geht auch mit niemand anderem besser …

Während die englischen ´Experten´ vor dem Spiel noch total arrogant waren (Scholes „3,4-0 für MU, easy, LaLiga ist so schlecht .. Rio Ferdinand kannte nicht mal Spieler von Villareal), war es nach dem Spiel natürlich ganz doll unglücklich, aber auch erklärbar, denn United ist ja ein Team „in transition“, das dauert eben, aber man wäre bald soweit – muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Alex Ferguson ist bereits seit 2013 weg, Ausgaben seitdem locker zwei Miliarden und mehr, Titel: 3 (EL; FA-, EFL-Cup). Arsenal hat seitdem übrigens vier Titel geholt (4 x FA-Cup) ..

Tja, während in der Villa Fernandes noch doof geguckt wird, wird in Villareal hemmungslos weiter gefeiert. Mittendrin mit Sicherheit: Santi Cazorla. Hoffentlich hört er dieses Jahr auf zu spielen und hat dann ganz vielleicht Bock auf den Co-Trainerjob bei Arsenal …

Beitrag bewerten

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar