Landpartie: FA-Cup bei Sutton United F.C. 5/5 (3)

Nach der Klatsche bei Bayern ist Arsenal jetzt quasi tatsächlich weit unten angekommen: heute (20.55 Uhr, live bei Eurosport) geht´s im FA-Cup zu Sutton United. Die spielen in der fünftklassigen National League und sind dort 17. (von 24). In der gleichen Liga spielen z.B. auch Wrexham (die haben gegen Arsenal mal sensationell im Pokal gewonnen) und Lincoln City (1.), die wiederum unser nächster Gegner sind, wenn heute alles klar geht.

Sutton liegt im Süden Londons (immerhin kurze Anreise), der SUFC hat massiv Tradition (gegr. 1898) und der größte Vereinserfolg ist das Spiel heute (= Erreichen der 5. Runde im Cup). Gespielt wird im Stadion Gander Green Lane mit einer Kapazität von 5.013 – Arsenal hat 700 Karten bekommen. Da werden sich unsere verwöhnten Jungs umgucken: die Kabinen sind natürlich klein und old school, die Duschen vielleicht nicht richtig warm und gespielt wird auch noch auf Kunstrasen. Life´s a pitch …

Ein bischen Erdung schadet unserem Team sicher nicht und AW hat ja schon kundgetan, daß er Sutton ernstnimmt und ein starkes Team aufstellen wird – gut, muß ja auch kaum jemand geschont werden, am WE ist ja kein Spiel.

Wir können nur hoffen, daß auch die Mannschaft Spiel und Gegner ernstnimmt, Vollgas geht und idealerweise frühzeitig alles klar macht. Zeige dem Gegner keinen Respekt und er zeigt dir, was er davon hält. Sutton´s Kapitän nach dem Sieg in der letzten Runde über Leeds: “When we saw the team that Leeds put out against us, we took it as being disrespectful. We play 46 league games and a lot of the lads have normal jobs. Sometimes when they are moaning about the number of fixtures I can’t help but think to myself: ‘If you were in the real world, you’d realise that you have the best job in the world’.”

Wie gesagt, ein bischen Erdung … keine Showpony-Nummer in der CL, sondern klassischer altenglischer Pokal. Viel Spaß!

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The Days After .. (Teil 2) – Das Ende einer Ära naht 5/5 (6)

Nein, Spaß hat das sowas von gar nicht gemacht – zumindest am und im Stadion. Erschreckende Organisationsmängel und Schikanen haben viele Gooner (auch etliche von uns) teilweise erst nach Stunden ins Stadion gelassen (viele erst nach Anpfiff) und selbst ich mit meiner VIP-Karte (dank Sky) wurde von einem schikanösem Ordner trotz Krücke zu absurden Ehrenrunden ums Stadion genötigt (als das Spiel schon lief). Das Spiel – naja, fand statt …

Wieder schlecht gestartet, nach der ersten Offensivaktion Vertrauen gefasst, im nächsten Angriff das Tor erzwungen, dann den Ausgleich verdient und Chancen zur Führung leichtfertig versemmelt (mir haben Bayernfans nach dem Spiel gesagt, daß sie sich zur Halbzeit nicht so sicher waren, ob das für sie gut ausgeht). Dann der entscheidende Moment in der 49. Minute, als Koscielny verletzt raus muß – rein hypothetisch, aber was wäre, wenn Arsenal seine defensive Form mit ihm behalten hätte und stattdessen bei Bayern Thiago, Lewa oder Robben rausgemusst hätten?

Egal, kam anders und der folgende Zusammenbruch ist leider nicht beispiellos, kaum zu erklären und sollte nicht hinnehmbar sein. Man nehme nur das 1-2: lächerliches Defensivverhalten, selbst St. Pauli würde sowas besser verteidigen auf der Aussenbahn. Robben freute sich anschließend im Interview nicht umsonst über viel mehr Raum zum spielen als in der Bundesliga.

Das Ding ist: verlieren an sich ist es ja nicht unbedingt, gerade bei Bayern ist sowas nicht unwahrscheinlich, es kommt immer auch auf das WIE an und so eine Kapitulation geht gar nicht.

Selbstredend wird dadurch die Kritik an AW nicht weniger, im Gegenteil logischerweise. Auch bei Wengergetreuen setzt sowas wie Resignation ein und die Erkenntnis, daß es doch langsam Zeit wird für einen Wechsel. Nun denke ich ja, daß die unvermeidliche in/out-Diskussion eher irrelevant ist, da ich nach wie vor fest glaube, daß dieses die letzte Saison von AW bei Arsenal ist und der Verein längst in der Planung bzw. womöglich/hoffentlich eh schon alles eingetütet ist.

Im Nachhinein wäre es sicher cooler gewesen, wenn er 2014 mit dem ersten Titel nach Jahren erhobenen Hauptes ausgestiegen wäre. Allerdings war es genauso gerechtfertigt, ihm damals einen neuen Vertrag zu geben und die Chance, mit den ab dem Jahr vorhandenen finanziellen Mitteln nach Jahren des Sparens nochmal loszulegen. Hat leider nicht gereicht für die ganz großen Ziele …

Nun ist ja nicht alles schlecht und wir spielen auch nicht gegen den Abstieg, aber durch die Konstanz in den Top 4 und in der CL ist die Erwartungshaltung über die Jahre eine andere geworden. Es ist natürlich schon ein wenig jammern auf hohen Niveau, was bei Arsenal so abgeht (unsere Probleme hätten viele, viele andere sehr gerne ..), aber es tut natürlich schon weh, Jahr für Jahr mitzuerleben, daß der letzte Schritt an die Spitze einfach nicht gelingen will. Und es hat den Anschein, als ob Arsene Wenger auch mit mehr Geld nicht unbedingt die Antwort darauf hat.

Nun hat Jojo im anderen Text gemutmaßt, daß der Verein noch keine Vorkehrungen für Veränderungen getroffen hat. Das glaube ich wie gesagt nicht. Eine meiner Mutmaßungen ist, daß AW ins Board geht, Marc Overmars Sportdirektor wird, Eddie Howe oder aber Patrick Vieira Trainer werden mit Thierry Henry und ggf. Mikel Arteta als Cotrainer. Oder aber AW geht ganz, Overmars kommt, Coach wird Massimo Allegri – auch mit Assis, die Arsenal kennen.

Der Punkt ist ja: es wird ja nicht nur der Trainer bzw. eine Person getauscht, sondern das gesamte Setup erfordert dann einen Wechsel. Wer z.B. mal Bilder vom Training gesehen hat und sich über die vielen älteren Herren im Trainingsanzug gewundert hat – naja, die sind auch mit AW älter geworden und der wird jetzt 68. Nix mit Rente ab 67 …

Jupp Heynckes war ja bei Bayern im gleichen Alter und irgendwann hat ihn sein Kumpel Uli Hoeneß zu Hause besucht und ihm sagen müssen, daß sie Pep an der Angel haben und er nur noch bis zum Sommer Trainer sein und sein Vertrag nicht verlängert wird. Jupp war erst angepisst, weil er auch noch nicht loslassen wollte, hat dann aber aus Bockigkeit mal eben das Triple geholt. Und freut sich jetzt seines Lebens ..

Nun ist es ja so, daß Arsenal keinen Uli Hoeneß hat. Auch keinen Karl-Heinz Rummenigge. Ja nicht mal einen wie Christian Nerlinger .. wenn man will, kann man eh sagen, daß seitdem David Dein Arsenal 2005 verlassen musste, es mit ´ganz oben´ vorbei ist. Und Ivan Gazidis wäre vielleicht die Lösung fürs Marketing von Unilever, aber ganz sicher nicht für Arsenal.

Es muß also auf mehreren Ebenen etwas passieren und es liegen, sagen wir mal, anspruchsvolle Zeiten vor uns. Gehen wir mal davon aus, daß die Planungen abschlußreif sind, wäre eigentlich sehr zu wünschen, daß man zeitig an die Öffentlichkeit geht. Auch wenn man vielleicht die Protagonisten aus Vertragsgründen ggf. nicht nennen darf, könnte die Ankündigung eines Wechsels eine Menge Druck vom Kessel nehmen: medial selbstverständlich aber eben v.a. auch unter den Fans – Schluß mit dem bitching und infighting und zur Abwechslung mal wieder gemeinsam mit Vollgas das Team supporten und zum bestmöglichen Saisonabschluß treiben. Und zu guter letzt auch, um in den verbleibenden Heimspielen Arsene Wenger den Respekt zeigen zu können, der ihm gebührt!

Make Arsenal VCC-able again (oder so …)

Kleine Statistik noch – durchschnittliche Ligapositionen der letzten 20 Jahre:

ManU 2,2 / Arsenal 2,7 (die 20 Jahre davor: 5,7) / Chelsea 3,6 / Liverpool 4,7 / T´ham 8,0 / ManCity 14,0

(letzte 3 Jahre: MC 2,3 – 3 Titel / AFC 3,0 2 Ti./ CFC 4,7 2 Ti./ MU 5,3 1 Ti./ THFC 4,7 0 Ti./ LFC 5,3 0 Ti.)

Und das Schlußwort gebührt natürlich Dennis Bergkamp:

´I really like Arsenal. But you, do you like Arsenal? or just Arsenal with trophies?´

And it´s Arsenal, Arsenal FC …

(Jens Bellmann)

 

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The Days After … (Teil 1) – Warum Arséne Wenger jetzt nicht gehen darf 3.71/5 (7)

Ich hasse es. Ich hasse es, dieses Team verlieren zu sehen, und es immer wieder verlieren zu sehen, hasse ich erst Recht. Die Berechenbarkeit dieser Niederlage ist frustrierend und ich will gar nicht erst wissen, wie es im Gästeblock aussah (der mal wieder großartige Arbeit geleistet hat – eine Schande, dass das Team das nicht zurückgezahlt hat). Diese Saison war wirklich keine Freude. Ab November gab es fast nur noch Arbeitssiege, dazu kommen einige schmerzhafte Arbeitsunentschieden und Arbeitsniederlagen. Was wir aber in München gesehen haben, das war keine Arbeitsniederlage. Das war eine Kapitulation. Die erste Halbzeit war in Ordnung. Niemand kann erwarten, ohne Gegentor aus der Allianz-Arena herauszumarschieren. Nach Alexis‘ fantastischem Tor sah es sogar so aus, als könnten wir wenigstens noch einmal das Netz flattern lassen, aber die beiden Chancen von Xhaka und Özil wurden versemmelt. Ich will jetzt gar keine Fehleranalyse betreiben, dafür bin ich taktisch nicht bewandt genug. Es reicht zu sagen, dass die zweite Halbzeit schrecklich war.

Wie jetzt weiter? Ganz Twitter schreit nach Arsénes Rücktritt, denn, seien wir realistisch, er wird nicht gefeuert werden. Das ist auch gut so, denn was er für den Club getan hat, ist unfassbar und ein Rauswurf, zu diesem Zeitpunkt der Saison auch total unrealisierbar, würde einen großen Schatten darauf werfen. Nie darf vergessen werden, dass er Arsenal mit den Titeln um die Jahrtausendwende und mit dem Stadion in die moderne Fußball-Ära geführt hat. Und wie schrecklich diese Niederlagen gegen Bayern, Chelsea, Manchester City auch waren: Er schafft es, uns konstant, Jahr für Jahr, in die Champions League und dort durch die Gruppenphase zu steuern. Das ist nicht besonders interessant oder begeisternd, aber doch beeindruckend. Vor allem ist es für Arsenal sehr gut, denn nur ein Club in der Champions League (oder mit unfassbar viel Geld, wie Manchester United) kann die besten Spieler und die besten Talente anziehen. Was Arséne Wenger tut, ist wichtig für den Club. Wir stagnieren, ja. Aber wir stagnieren auf einem extrem hohen Niveau. Sollte Wenger den Vertrag also unterschreiben, dann heißt das wahrscheinlich weiter Top 4, Achtelfinale, vielleicht ein FA-Cup. Nicht schlecht, aber auch wirklich nicht das, wonach es uns verlangt. Es ist nicht die Premier League oder – noch besser –  Champions League. Wenger wird wohl keine davon wieder gewinnen.

Die Möglichkeit besteht, dass Wenger den Zwei-Jahres-Vertrag, der wohl bei ihm auf dem Tisch liegt, nicht unterschreiben wird. Das wäre aber, aller Frustration zum Trotz, ein Fehler. Wie vorbereitet ist Arsenal, gute drei Monate vor dem Ende der Saison, darauf, dass Arséne den Vertrag nicht unterschreibt? Gar nicht. Der Vorstand ist wohl an Hasenhüttl herangetreten, um etwaiges Interesse bei ihm festzustellen. In den Medien kursieren auch immer wieder ein paar Namen, das ist aber wohl ähnlich zu sehen wie der Bericht, Arsenal sei an Antoine Griezmann dran. Außerdem: Wenger macht im Club fast alles. Die Transfers gehen über ihn, er trainiert die Mannschaft, er setzt Taktiken fest. Das ist bei kaum einem anderen großen Club so. Wenger ist der Letzte einer aussterbenden Art. Einen neuen Trainer ranzubekommen reicht also nicht. Wir brauchen eine Art Sportdirektor, wahrscheinlich andere Coaches. Der Vorstand muss verjüngt werden, am besten mit Leuten, die sich im Fußball auskennen. Ich bezweifle stark, dass Ivan Gazidis, geschweige denn Silent Stan, wirklich einen Plan haben, wen sie in irgendeinem dieser Bereiche bei Arsenal haben wollen. Ohne eine Struktur, die Arséne Wenger ersetzt, geht es aber nicht. Ohne eine Struktur kann es unschwer zum Kollaps kommen, ich würde das Konzept gern „Liverpool“ nennen. Wir behalten unsere Geschichte, wir behalten unsere Gesänge, aber wirkliche Chancen auf den Titel werden wir auch ohne Wenger dann nicht haben. Erst wenn geklärt ist, welche Gruppe von Personen Wenger ersetzt, sollten wir darüber nachdenken, den Franzosen gehen zu lassen. Auch wenn Arséne gesagt hat, dass er bei der Auswahl seines Nachfolgers kein Mitspracherecht haben will, sollte er helfen, diese Entscheidungen zu treffen. Er liebt Arsenal und was auch immer man über die Entwicklung seiner Taktiken sagen möchte, er hat Ahnung vom Geschäft. Wenn der Club es wirklich schafft, in diesen drei Monaten diese Struktur wenigstens ansatzweise aufzubauen, wäre es die richtige Entscheidung von Wenger, sich zurückzuziehen. Wenn nicht, glaube ich, dass die für uns schmerzhafte und frustrierende Entscheidung, den Vertrag zu unterschreiben, die richtige wäre.

Wann auch immer Wenger geht, er wird vermisst werden. Seine augenzwinkernden Pressekonferenzen, seine Interviews, die Art, wie er bei offensichtlich richtigen Entscheidungen den vierten Offiziellen anbrüllt, seine Tollpatschigkeit, wie er seine Spieler immer verteidigen wird und die tiefe Traurigkeit in seinem Blick, wenn wir verlieren. Arséne hat in einem Interview mit L’Equipe mal gesagt: „The philosophical definition of happiness is a match between what you want and what you have.“ Was Arsenal-Fans wollen, ist Alles. Was Arsenal-Fans haben, ist sehr viel. Gebt ihnen Zeit, um diese Lücke zu überbrücken.

Jojo Waack

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