Das Ausscheiden am Donnerstag war mal wieder so typisch Arsenal und steht sinnbildlich für die Entwicklung der letzten Jahre. Sad stuff. Deswegen ist ein Umbruch dringend nötig und er kommt ja glücklicherweise auch. Nichtsdestotrotz ist das heute ein sehr emotionaler Tag, denn es ist das letzte Heimspiel für Arsene Wenger und natürlich wird er trotz der negativen Entwicklung gebührend gefeiert und respektvoll verabschiedet werden. Wer darauf keinen Bock hat, sollte bitte einfach mal die Schnauze halten oder in den dunklen Wald gehen, wo ihn keiner hört. Eine Woche reicht, denn dann ist er ´schon´ weg …

Tja, das war´s dann also – kein ´wir spielen für den Boss´ in Madrid, kein finales Endspiel .. naja, bei seinem 1.000sten Spiel hat sich das Team ja auch herrlich blamiert. 22 Jahre hat Arsene Wenger jetzt fast für Arsenal gearbeitet, ein Drittel seines Lebens. Er hat mit Arsenal einen Club gefunden, den er lieben gelernt hat, für den er alle möglichen lukrativen Angebote ausgeschlagen hat (und bei Real, Bayern etc. hätte er wohl sicher die fehlenden europäischen Titel geholt, die ihm jetzt so gerne angekreidet werden) im Laufe der Jahre – er hätte easy nach den Invincibles oder auch später zu jedem Topclub der Welt gehen können (und was wäre er dann für ein Held in der Arsenal-Retrospektive ..), aber nein, er wollte den Stadionwechsel mittragen, wohlwissend, dass das zur Verfügung stehende Team ganz oben nicht mehr mitmischen kann. Er hat, wenn man so will, seine Karriere etwas weggeschenkt, um einzig Arsenal weiter voranzubringen, weil das sein Club geworden ist (und ja, man hat schon gesehen, dass es nicht immer hilfreich ist, wenn somit `Fans´ Teamverantwortung tragen).

Als AW 1996 kam, hatte George Graham um 1990 herum nach Jahren in der Wildnis für Arsenal mit jungen, hungrigen Spielern (Rocastle, Adams etc.) wieder Titel geholt, konnte dann aber nicht mehr nachlegen. AW hat dann auf den nicht mehr ganz so jungen Spielern aufgebaut und mit seiner Philosophie und neuen Leuten Arsenal zu dem gemacht, wofür der Club seitdem steht und er von vielen, vielen neuen Fans seitdem geliebt wird. Die Ausrichtung auf offensiven Fußball ist auch ein Vermächtnis von AW und ist auch eine Vorgabe für den neuen Mann, der vielleicht ja schon nächste bekannt wird. Aber erstmal noch Arsene Wenger ..

Die ersten Wenger-Jahre waren eine einzige Verheissung und ein Ausblick auf womöglich goldene Jahre – hat nicht ganz geklappt, wie wir mittlerweile wissen und es ist ja auch wieder sehr Arsenal-typisch (das zieht sich einfach durch die ganze Clubgeschichte), das meistens der letzte Schritt, der letzte Meter, das letzte bischen Entschlossenheit oder auch nur das Quäntchen Glück fehlt. Aber was Wenger mit Sicherheit geschafft hat, ist Arsenal im oberen Tabellendrittel festzutackern. Die vielgeschmähte Top4-Platzierung hat nicht nur immer Geld gebracht, sondern auch eine Konstanz gezeigt, die man von Arsenal vorher nicht kannte. Die durchschnittliche Tabellenplatzierung in 22 Wenger-Jahren war Platz 3 (mit drei Meisterschaften), in den 22 Jahren zuvor lag man im Schnitt auf Platz 7 (mit zwei Titeln) und in den 22 Jahren davor kam man im Schnitt gar nur auf Platz 8 (auch mit zwei Titeln), d.h., man konnte Arsenal in all den Jahren auch gerne mal in der unteren Tabellenhälfte finden. Jetzt ist es quasi Wenger´s Vermächtnis, dass Platz 5 oder 6 schon einer mittleren Katastrophe nahekommt.

Für eine Woche steht Arsenal nochmal still (und danach freuen wir uns auf die Zukunft), wir erinnern uns an die vielen, vielen tollen Momente (wozu noch negativ werden: ist durch, oder?), die uns Arsenal dank Arsene Wenger gebracht hat. Viele sind ja erst durch die Wenger-Zeit zum Gooner geworden bzw. kennen auch gar keinen anderen Coach – das ist schon irgendwie surreal … wenn da demnächst irgendjemand steht, der auch noch Reißverschlüsse kann, denkt man doch erst, der hat sich verlaufen …

Ach …

MERCI, ARSENE – THANKS FOR THE MEMORIES!

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