„Remember Who You Are, What You Are And Who You Represent“

20 Jahre ist es bereits her, dass David „Rocky“ Rocastle völlig unerwartet verstorben ist. Krebs. Mit 33. Unfassbar. Schon damals hatte Rocky quasi Legendenstatus – bei Arsenalfans. Entsprechend groß war das Entsetzen. Aber warum war Rocky so beliebt unter Goonern?

Nun, seit den frühen 1950er-Jahren hat Arsenal fast konstant ´underperformed´ und auch die 1980er liefen in etwa so wie die aktuelle Saison jetzt, trotz teurer Starspieler. Bis 1986 ein neues Boardmitglied (D. Dein) entscheidungsfreudig war, einen Trainer aus der zweiten Liga holte (G. Graham) und mit diesem einen Neuaufbau anschob. Kern war, auf Leute aus dem eigenen Nachwuchs zu setzen. Einer davon war Rocky, seit 1982 in der Academy und sogleich ins Profiteam gehievt. Zusammen mit den anderen jungen Wilden (Davis, Groves, Merson, Adams, Thomas etc) und dem passenden Coach spielte Arsenal wieder einen Fußball, der die Leute begeistert hat. Im Frühjahr 1987 gab es im Halbfinale des League-Cups ein legendäres Replay bei den Spuds – nach 0-1 durch zwei Tore in den letzten acht Minuten noch 2-1. Siegtorschütze in der 90.: David Rocastle … so werden Legenden geboren.

Das Endspiel wurde gewonnen (gegen mighty Liverpool), 1988 war man wieder im Endspiel (aber gegen Luton verloren) und 1988/89 war das sinnvoll ergänzte (u.a. durch Dixon) Team dermaßen eingegroovt, dass es die ganze Saison beherrscht hat – um es kurz vor Schluß fast zu verkacken … nur, um dann das legendärste Ligafinale ever rauszuhauen. Bei jedem Spiel dabei und tragende Säule: David Rocastle.

Der Impact, den Rocky hatte, ist ungefähr mit Emile Smith-Rowe zu vergleichen: ähnliche Spielanlage, technisch klasse und mit viel Spielintelligenz. Im rumpelfußballerischen England der damaligen Zeit schon auffällig. Arsenal spielt guten Fußball, war erfolgreich (1991 gab es eine weitere Meisterschaft) und hatte v.a. viele ´eigene´Leute dabei. Völlig klar, dass sich Arsenal-Fans mit Verein und Spielern identifizieren konnten. „Er war einer von uns“ heißt es noch heute über Rocky. Auch und vor allen Dingen, weil er sich abseits des Platzes als absoluter Gentleman präsentiert hat. 1991 kam Ian Wright: „Ich war schon Arsenal-Fan, wegen Rocky. Deswegen wollte ich da hin, weil ich mit ihm spielen wollte“

Sollte nicht lange dauern, denn 1992 verkaufte George Graham Rocastle an Leeds United – einzig, weil´s ne gute Ablöse gab (1,3 Mios). Ohne Not und v.a. gegen seinen Willen. Rocky wurde kurz darüber informiert, saß anschließend stundenlang heulend in seinem Auto und verstand die Welt nicht mehr. So ging´s damals noch zu (Graham bekam Handgeld, Arsenal John Jensen … war nicht der beste Tausch ..). Leeds war gerade Meister geworden (der erste in der neuen PL) und brauchte ihn eigentlich gar nicht – es folgten Wechsel zu Man City und Chelsea (Midtableteams damals), nichts klappte mehr, selbst ein Probetraining beim damaligen Zweitligisten Hertha BSC konnte er nicht bestehen. Galt dann irgendwie als ewiges Talent, dass ganz klar nur bei Arsenal funktioniert hat – und mit 25 weggegeben wurde. Seine 14 Länderspiele fallen auch ausschließlich in seine Arsenal-Zeit. Komische Entscheidungen bei Arsenal sind kein Privileg der ´Neuzeit´…

Der 31. März 2001 war übrigens ein Samstag. Spieltag. Und nicht nur ein Heimspiel, sondern auch ein North London Derby. Am Vormittag konnte man die Nachricht seines Todes ggf. mitbekommen, aber er war kein großer Star und in Zeiten vor Social Media und Smartphones haben die meisten Leute es in den Pubs vorher oder am/im Stadion mitbekommen. Komplettes Entsetzen allerorten und v.a. auch direkt die Angst, dass ein paar idiotische Spuds eine Schweigeminute o.ä. versauen würden – haben sie aber nicht. Manchmal merkt auch noch der Letzte, dass stumpfe Fußballrivalität auch mal komplett nebensächlich ist … das Spiel endete übrigens 2-0. Einer der Torschützen: Robert Pires, die Nummer 7 …

Arsenal ehrt Rocky regelmäßig (s.u.), zum Highbury-Aschied gab es einen ´David-Rocastle-Day´ (5-0 gg. Villa), Teile der Academy-Anlage sind nach ihm benannt und die Fans ehren ihn quasi bei jedem Spiel – kein Spieler aus ´seiner´ Zeit, auch nicht Ikonen wie Tony Adams, wird so besungen wie Rocky. Warum? er hat die Leute auf und neben dem Platz mitgenommen und für nicht wenige Leute verkörperte er das, was für sie „The Arsenal“ ausmacht. Er war eben einer von uns …

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