22. September 1996 – ein durchaus einschneidendes Datum für Arsenal, denn Arsene Wenger hatte seinerzeit seinen ersten Tag beim Club. Ist einiges passiert seitdem – es ging rasant nach oben, wo wir eine Weile blieben, dann ging es wieder zurück und jetzt sind wir in etwa wieder da, wo wir vor 25 Jahren waren. Spannende Zeiten …

Hoffen wir mal, dass der heutige Tag nicht soo geschichtsträchtig wird, denn es steht ja ein Spiel an: im EFL-Cup gegen den AFC Wimbledon – und so wie es aussieht, gibt es davon live überhaupt nix zu sehen, es muss also das ´good old fashioned´ Radio (über arsenal.com gibt es nen Audio-stream) her. So wie früher – also z.B. auch wie zu den „Invincibles“-Zeiten: damals wurde mit Glück vielleicht jedes dritte Spiel live gezeigt und streams gab es nicht. Es gab nur Highlights (wenn überhaupt), die sahen dann ggf. natürlich ziemlich cool aus und es gibt ja nicht wenige, die denken, dass damals alle Arsenal-Spiele ein einziges Fest waren … weit gefehlt, Leute weit gefehlt … ´ganz überraschend´ kommt das Gurkengekicke auch in den YouTube-Highlights nicht vor, aber eines kann ich euch als Augenzeuge sagen: Spiele gegen Gegner wie „Only Norwich“ und „Only Burnley“ sahen damals haargenau so aus wie die jetzigen Spiele (okay, nach hinten raus wahrscheinlich mit einem Tor mehr, weil die das damals mit dem Kontern schon besser raus hatten). Was wäre wohl, wenn es von unserem 6-0 in der letzten Runde nur Highlights gäbe und niemand das Spiel hätte sehen können? 

Manche meinen, dass DAZN uns vielleicht grade nicht so mag (könnte ja sein ..), aber die senden für gewöhnlich ja auch jedes Spiel, dass nicht bei „3“ auf dem Baum ist (bzw. wo sie Rechtezugriff haben), egal ob mit deutschem oder englischem Kommentar, aber hier könnte es an der Rechtevergabe der EFL liegen, denn es gibt weltweit nur die drei Spiele mit PL-Teams, die gezeigt werden. Arsenal wird eigentlich immer irgendwo übertragen, v.a. in Nordamerika, Afrika, Australien oder im arabischen und asiatischen Raum, aber für heute wird wirklich nirgends eine Übertragung ausgewiesen. Also eher nix mit ´dodgy´ streams …

Aber hier noch was zur spannenden Geschichte des AFC Wimbledon:

In den 1980er-Jahren machte der Wimbledon FC einen atemberaubenden Durchmarsch vom Non-League Fußball bis in die First Division (PL gab es erst ab 1992). Dort waren sie der schillernde Außenseiter, auch bekannt als „Crazy Gang“ wegen des lockeren Stils. Höhepunkt: der damals komplett abgefahrene Gewinn des FA-Cups gegen den damals noch übermächtigen Liverpool FC (1-0). Bekanntester Spieler: Vinnie Jones (verdammt harter Spieler mit späterer Karriere als Action-Schauspieler). In den 1990er-Jahren durften sie nicht mehr in ihrem baufälligen Stadion spielen, weswegen sie stets im Selhurst Park (Palace) spielten, was z.B. für Arsenal immer wie ein Heimspiel war, weil wir mehr Fans dabei hatten. Da der Besitzer das Stadion in Wimbledon lieber gewinnbringend verkaufen wollte, kamen über die Jahre immer weniger Fans in den Selhurst Park. 2000 stieg der Club final aus der PL ab und der Besitzer kam auf die bahnbrechende Idee, den ganzen Club aus Wimbledon im Süden Londons nach Milton Keynes (100 km entfernt), einer in den 1950er-Jahren am Reißbrett entstandenen Trabantenstadt nördlich von London, zu verlegen. Denn da gab es noch keinen Verein .. all das wurde dann tatsächlich von der Liga genehmigt und geboren waren die „MK Dons“, die dann anstelle des Wimbledon FC in der Championship weiterspielten (und später weiter absteigen sollten). Und jetzt stellt euch mal vor, das passiert mit eurem Verein …

Viele Fans hatten auf den Stunt natürlich gar keinen Bock und sind dem Wechsel entsprechend nicht gefolgt. Nach Monaten der Agonie wurde 2002 dann aber kurzerhand ein ganz neuer Verein gegründet, der AFC Wimbledon (= der alternative Wimbledon FC) – als Non-Profit-Organisation im Besitz des „Dons Trust“, also der Fans. Sie mussten ganz unten anfangen, Präsident wurde jemand, der gerade seinen Job verloren und dadurch Zeit hatte, Spieler wurden per Bewerbungstraining ausgewählt und über die Jahre haben sie sich tatsächlich die Ligen empor gespielt. Fun fact dabei: die wahren Invincibles sind eigentlich die Dons, denn sie haben auf dem Weg stattliche 78 Ligaspiele (69/9/0) am Stück nicht verloren …

Auf dem Weg haben sie etliche Zuschauer-Rekorde gebrochen, denn vom Start weg hatten sie einen Schnitt von 4-5.000 Zuschauern. 2011 hatten sie dann das Play-Off-Finale um den Aufstieg in die League Two, der untersten Profiliga, erreicht und dieses gegen Luton nach Elferschiessen auch gewonnen. Was für ein Drama, was für ein Erlebnis für die Fans. Fünf Jahre später wurde es noch besser, denn man stieg in die League One auf und damit in die gleiche Liga wie ihr Ursprungsclub, die MK Dons. Sehr emotional natürlich und man war sogar besser – zwei Jahre danach stieg MK ab und man spielte ein Jahr sogar höher als die. Aktuell sind beide in der League One unterwegs (MK 3., AFC 7.).

Also eine absolute ´Tour de Force´ für langjährige Fans (viele davon auch in Deutschland, die sich genauso ärgern, dass es keine Live-Bilder gibt). Lange Jahre trug man die Heimspiele in Kleinstadien im Londoner Süden aus, bis 2020 ein Traum wahr wurde: die originale Heimstätte des Wimbledon FC war an der „Plough Lane“, in den 90ern aber nicht PL-reif und der Standort verfiel zusehends mangels Erschließung. Aber nach langen Verhandlungen hat der AFC Wimbledon eine Baugenehmigung für ein neues Stadion erhalten, welches – ausgerechnet – 2020 eröffnet wurde.

Was für eine Geschichte – könnte man Bücher drüber schreiben .. und die gibt´s auch:

Meine Zeit beim AFC Wimbledon – Daniel Roth (Buch) – jpc – sogar in deutsch.

Hier noch eine schöne Geschichte über den aktuellen Coach der Dons:

Mark Robinson interview: AFC Wimbledon boss’s unconventional journey from Chelsea tour guide to Arsenal dugout | Evening Standard

´Das hier ist Fußball, das hier sind Dramen ..´ 

Was für ein Spiel also heute – mindestens 50.000 Leute werden da sein, knapp 10.000 davon wohl von Wimbledon, die ihre Begeisterung rüberbringen werden. Ein grosser Abend. Wenigstens für alle, die im Stadion sind

ENJOY!

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Das ist heute das erste Mal seit fünf Jahren, dass Arsenal ein zweites Spiel in Folge zur traditionellen Samstagnachmittagszeit am Start hat. Nix Live-Übertragung also (Re-Live 21 Uhr) und klar: so ein Spiel in Burnley ist allerdings auch nur was für ´Insider´, wer sollte das sonst freiwillig gucken? 

Klar wollen einige Arsenal versagen sehen (auch bei uns), aber da kann man sich bei unserem Club ja überhaupt nicht sicher sein. „Jeckyll & Hyde“ und so. Und dann ausgerechnet in Burnley? da hat Arsenal zuletzt 1973 verloren und von den letzten 12 Spielen dort zehn gewonnen. Was wir mit Schiri letzte Saison auch hätten (man denke an den nicht gegebenen Handelfer) – den Clarets hat nur ein Aussetzer von Xhaka zum schmeichelhaften Punkt verholfen. Aber der liebe Granit fehlt ja netterweise heute.

Spannend sein Platzverweis neulich: Xhaka spielt den Ball, Gegenspieler wirft sich hin, Atkinson kommt, sieht, dass es Xhaka ist, greift in die andere Tasche (als vorgesehen) und zieht direkt Rot. Runter vom Platz aus zwei Gründen: es ist Xhaka und er spielt für Arsenal. So läuft das in England … letzten Montag: Burnley´s Tarkovski setzt die selbe Grätsche an, nur direkt auf der Seitenlinie, trifft nicht den Ball (der war schon weg), sondern brettert frontal in die Beine von Richarlison, der in hohem Bogen durch die Gegend fliegt. Was macht Martin Atkinson hier: nichts, nicht mal Freistoß, Ball war ja gespielt und das Spiel soll man ja laufen lassen … 

Burnley kann zwar auch ziemlich gut kicken mitunter, macht das aber natürlich auf einer sehr robusten (to put it mildly) Spielanlage – altenglische Schule eben. Gerade gegen die ´Schönspieler´ der Liga machen sie das ziemlich grenzwertig in dem Bestreben, dem Gegner die Lust am Spiel zu nehmen (man höre Jürgen Klopp dazu nach deren Spiel gegen die neulich – der war froh, dass sich keiner verletzt hat) – aber am Ende verlieren sie in der Regel doch, auch gegen Arsenal (nur letzte Saison nicht – was im Hinspiel auch an Xhaka und einem ebenso schrägen Platzverweis lag).

Die Clarets spielen hart, haben aber seit 97 Spielen keine rote Karte gefangen – Arsenal hatte letzte Saison die wenigsten Fouls der Liga … und 5 rote Karten. Was sagt uns das? wir dürfen uns schlicht nichts erlauben: die spielen ´robust´, aber es passiert nichts, weil wir ja ´soft´ sind. Wehren wir uns, werden wir bestraft – würde mich nicht wundern, wenn z.B. Partey heute vom Platz muss ..

Wo wir hier letztens von Patrick Vieira gesprochen haben: wie haben wohl Liga und Schiris auf seinen positiven ´impact´ reagiert: er wurde am laufenden Band vom Platz gestellt (er wollte schon wieder weg und AW musste ihn überreden, doch zu bleiben). Damals aber hatte Arsenal ein Team, dass mit enormer mentaler und spielerischer Power gegen alle Widerstände angespielt hat und Vieira schlussendlich über jeden Zweifel erhaben war – in diese Position ist Xhaka bei Arsenal leider nie gekommen …

Nun, Burnley kann ja so bissig sein, wie sie wollen, wir müssen sie einfach durch konsequentes Fußball spielen und Tore schießen zermürben, uns nicht beeindrucken lassen und ihnen unseren Willen aufzwingen. Fertig. Ganz einfach, oder?

Auba z.B. kennt sich damit aus: 8 Tore in 7 Spielen gegen Burnley (ähnlich erfolgreich war er beim BVB nur gegen den HSV: 9 Tore). Weiter so. Burnley hingegen hat da so seine Schwierigkeiten: in den letzten 21 Heimspielen haben sie gerade 16 Tore hinbekommen – kein Wunder, dass sie seit 12 Spielen auch im Turf Moor sieglos sind. Die können ums Verrecken kein Spiel machen und warten auf Fehler, Zufälle oder Standardsituationen. Diese einzugrenzen unsererseits wäre schon mal ein Konzept.

Am letzten Samstag haben wir zum ersten Mal unsere neue Arsenal „Back Five“ gesehen – ein Line-Up, wie wir es noch sehr oft in der Zukunft zu sehen bekommen. Im Tor, zum Leidwesen von Bernd Leno, mit Aaron Ramsdale, der bislang schon mal die Statistik auf seiner Seite hat: 2 Spiele, 2 Siege, 7-0 Tore. Ein weiteres ´clean sheet´ heute kann da nicht schaden …

Also, es ist Burnley, schön wird´s nicht, ein souveräner Sieg wäre allerliebst, aber wenn es ein ´scrappy win´ wird wie in den vergangenen Jahren (remember Kos, 96. minute?), soll´s uns auch recht sein. Ein Sieg und wir stoßen in luftige Höhen in der Tabelle empor und können uns erst recht auf zwei geile Derbies in der nächsten Woche freuen.

UP THE ARSE!

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„Ihre E-Mail macht uns sprachlos – sprachlos vor Freude!“

Nach unserer Spendensammelaktion vor einigen Wochen in Sachen Fluthilfe haben wir geschaut, wo wir denn nun unsere Spende unterbringen können – es sollte ja zielgerichtet bei besonders betroffenen Vereinen ankommen. Hier gilt unser ganz besonderer Dank Steven und Edu für die intensive Mithilfe. Neben den von euch gespendeten € 2.200 haben wir den Betrag aus der Vereinskasse auf € 3.000 aufgerundet und diesen Betrag an die folgenden zwei Vereine aufgeteilt:

den SC Bad Bodendorf in der Eifel (und an der Ahr) – SC Bad Bodendorf 1919 e.V. – SC Bad Bodendorf 1919 e.V.

und den 1. FAV Bad Münstereifel etwas weiter westlich – 1FAV Bad Münstereifel (1fav-badmuenstereifel.de)

„Da wir in der schrecklichen Flutkatastrophe so ziemlich alles verloren haben, was wir als Verein besessen haben, sind wir über jeden Cent froh. Also kommt das Geld definitiv an der richtigen Stelle an.“

Diese Woche haben wir die beiden Vereine angeschrieben und ihnen jeweils € 1.500 überwiesen. Die Reaktionen (hier teilweise wiedergegeben) waren hocherfreut und begeistert. Und wir freuen uns, dass wir wenigstens ein kleines bisschen helfen können. Nochmals vielen Dank an alle, die mitgeholfen und/oder gespendet haben!

Und wenn dann in der Eifel (oder anderswo) ggf. ein paar Leute mehr mal gucken, was es denn mit diesem Arsenal  so auf sich hat, ist es ja ganz hilfreich, dass unser Club wieder im „Spiele gewinnen“-Business ist. Das neu zusammengestellte Team hatte am Samstag einen sehr vielversprechenden Auftritt und diese Woche mangels Europa-Teilnahme entsprechend mehr Zeit, sich weiter einzuspielen (ManU hätte diese Woche sicher gerne getauscht ..). There may be bumps, but I see bright light ahead“  – sagte Mikel Arteta heute auf seiner Pressekonferenz zum Spiel in Burnley. Das ist mal ne richtige Aufgabe bei der Kloppertruppe – wird spannend zu sehen, wie genau unser Sieg da zustande kommt.

Historie:

heute vor 84 Jahren, am 16.9.1937, fand die allererste TV-Übertragung eines Fußballspiels statt: der Ort war Highbury und es spielte Arsenal gegen … die Arsenal Reserves. Im Bild Chapman-Nachfolger George Allison im Interview. Zu sehen war das Spiel allerdings nur in einigen Haushalten rund um den Alexandra Palace („AllyPally“). Arsenal war damals das Team schlechthin: 5 Meistertitel + 2 Pokale in acht Jahren – besser wurde es nie mehr …

Eine ganze Weile später dann, am 16.9. 1996, hatte dann ein Mann sein erstes Spiel für Arsenal, der noch einmal eine ähnlich erfolgreiche Phase entscheidend mitgestalten sollte: Patrick Vieira. Sein „impact“ war begeisternd (habe selbst eines seiner ersten Spiele gesehen) und hat entscheidend dazu beigetragen, Arsenal wieder in der Spitze der Liga zu etablieren (nachdem DB10 die Vorarbeit in der Saison zuvor – die bis heuer letzte ohne Europa – geleistet hatte). PV4 kam nicht als Star, im Gegenteil, er kam frisch von Milan´s Tribüne, denn da hatte er nur zwei ganze Einsätze in der Saison zuvor. Er galt erst als komischer Einkauf von diesem ebenso komischen neuen Trainer, und dann noch beides Franzosen, was sollte das nur werden … nun ja, lief dann nicht sooo schlecht.

Unsere jetzigen Neuen sind ja auch nicht gerade jubelnd begrüßt worden allerorten, aber die ersten Eindrücke waren schon mal nicht die schlechtesten. Gucken wir mal, wie die die nächsten Spiele abgehen …

Next Stop: Burnley

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