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geschrieben von Jojo Waack

Flamsey funktioniert
Als Francis Coquelin gegen West Brom vom Platz gehumpelt ist, haben sich die Albträume
vieler Arsenal-Fans verwirklicht: Mathieu Flamini auf der #6! Der Titel ist futsch, Top 4 könnte
schon ein Problem werden, hoffentlich ereilt uns nicht das gleiche Schicksal wie Chelsea!
Doch es ist nicht ganz so schlimm gekommen. In den vier Spielen, die er im Dezember
gespielt hat, hat er gut gespielt und keine großen Fehler gemacht (Southampton ignorieren
wir jetzt einfach mal).
Positiv hervorzuheben ist der 2­1 Sieg gegen Manchester City im Emirates. Dort hat er
zusammen mit Ramsey und Koscielny City’s Abklatsch von Mesut Özil, einen gewissen
David Silva, komplett aus dem Spiel genommen und so die Grundlage für einen wichtigen
Sieg geschaffen.
Zusammen mit Ramsey hat er eine solide Mittelfeldpartnerschaft geschaffen, die uns zwar
nicht so viel Sicherheit mit dem Ball in den eigenen Reihen gibt, dafür aber eine größere
Torgefahr ausstrahlt als Coquelin und Cazorla. Defensiv sind Rambo und The Flam jedoch
anfälliger, da Ramsey öfter im gegnerischen Strafraum aufzufinden ist als der kleine Spanier
und Flamini seit seinen zwei Toren gegen die Spurs Momente hat, in denen er sich für Ruud
van Nistelroy hält.

Neue Spieler müssen her
Es ist nicht nötig, nur um der Transfers willen, im Januar nach Spielern zu verlangen. Denn
mitten in der Saison wollen Klubs nur selten ihre Spieler verkaufen, noch weniger gern
Spieler, die gut genug sind, das rot-­weiße Trikot zu tragen.
Das Problem ist nur, dass Mikel Arteta keine zwei Spiele hintereinander mehr auf die Reihe
bekommt und zusammen mit Mathieu Flamini wahrscheinlich keinen neuen Vertrag
bekommen und den Klub im Sommer verlassen wird. Ersatz für die beiden müsste also
spätestens nach dieser Saison verpflichtet werden. Dazu kommt, dass Coquelin noch
mindestens bis Februar verletzt ist.
Da, wie schon erwähnt, im nächsten Sommer definitiv hätte ein Mittelfeldspieler verpflichtet
werden müssen, der ungefähr in die Coquelin­-Rolle passt, können wir uns sicher sein, dass
der Manager eine Liste mit ein paar Namen hat. Genauso wie mit Monreal und Gabriel, die
beide eigentlich ein halbes Jahr später kommen sollten, ist also auch dieses Mal eine leichte
Verschiebung des Zeitplans nötig und ein Neuling in Rot­-weiß recht wahrscheinlich.

Arsenal ist nicht mehr auf einen einzigen Spielstil festgelegt
Wenn man vor vier Jahren von Arsenal gesprochen hat, ging es meistens um Ballbesitz, den
gegnerischen Strafraum belagern und durch leichte Unaufmerksamkeiten gekontert werden.
Und das ist, siehe Southampton, auch noch nicht ganz aus unserem Spiel verschwunden.
Aber Arsenal ist nicht mehr komplett unfähig, Spieler hinter den Ball zu bringen und zu
verteidigen.
Man nehme das Spiel gegen Manchester City. Wenigstens im Emirates würde man von
Arsenal erwarten, das Unvernünftige zu tun und mit voller Wucht die instabile Verteidigung
der Skyblues zu testen. Das würde dazu führen, dass David Silva Platz bekommt, Aguero
und De Bruyne mit Pässen zu füttern, die mindestens ein Mal Mertesacker und Koscielny
auf dem falschen Fuß erwischen. Doch stattdessen sitzen wir tiefer, lassen sie kommen und
kontern mit Walcott, Özil, Campbell, Bellerin, Ramsey und Giroud. Das gleiche Muster lässt
sich bei den Spielen gegen Manchester United, Bayern und Olympiakos erkennen.
Die Fähigkeit, Spiele zu kontrollieren und mit schönen Passkombinationen den Gegner zu
umgehen, ist natürlich nicht verloren gegangen. Gegen Bournemouth, Sunderland und
Aston Villa waren wir bis auf einige kleine Ausrutscher das bessere Team und hatten das
Spiel in der Hand.

Özil ist die beste #10 der PL
3 Tore und 16 Vorlagen in 19 Spielen und mit der Hälfte der Saison vor ihm, noch vier Vorlagen
von Thierry Henry’s Rekord entfernt. Was will man mehr? Mesut Özil ist seit seiner
Verletzung im letzten Januar in der besten Form seiner Arsenal-Karriere und sollten wir in
dieser Saison endlich die Meisterschaft gewinnen, wird das vor allem sein Verdienst
gewesen sein.
Özil entscheidet Spiele im Alleingang, er hat beide Vorlagen gegen City beigesteuert und
gegen Bournemouth neun Torchancen kreiert, mehr als irgendein anderer Spieler in einem
einzelnen Spiel dieser Saison. Seine Passgenauigkeit im gegnerischen Drittel ist
normalerweise über 90%.
Dazu hat er seine Defensivleistung verbessert. Gegen Manchester City war er der
Arsenalspieler mit den meisten Tackles, außerdem ist er immer öfter dabei zu sehen, wie er
verlorene Bälle verfolgt und zurückerobert.
Aber natürlich. Seine Körpersprache ist noch nicht gut genug…

Das Achtelfinale der Champions League ohne Arsenal? Unmöglich!
Wir machen es uns gerne schwer, nicht wahr? 1­:2 gegen Zagreb, 2­:3 gegen Olympiakos,
1­:5 gegen Bayern. Aber letztendlich, wenn es drauf ankommt, können wir alte
Gewohnheiten einfach nicht loswerden. Wie zum Beispiel im Lostopf der Achtelfinalrunde
der Champions League rumliegen. Und wegen Spielen wie gegen Olympiakos, bei denen
wir mit mindestens 2 Toren Abstand gewinnen müssen, lohnt es sich, Arsenal-Fan zu sein.
Denn wir wissen, dass wir es können, aber wir wissen auch, dass wir noch nie in
Griechenland gewonnen haben und dass wir fast genau das Gleiche gegen Monaco
schaffen mussten, es aber nicht geschafft haben. Und dann holt Giroud das Tornäschen
heraus und schießt uns mit einem Hattrick eiskalt in die Runde der letzten 16. Gegen Barcelona.

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Von Stefan Holzapfel

5:1 für die Bauern? Muss man nicht machen, kann man aber. Es bewahrheitete sich, was einige schon als ungutes Gefühl vor dem Spiel hatten. Wäre auch zu schön gewesen, die Bauern zweimal innerhalb von 2 Wochen zu ärgern. Aber spätestens nach dem 0:0 der Bauern in Frankfurt war klar, dass mal wieder eine gute Mannschaft eine Lehrstunde erwartet. So wie es so vielen zuvor schon ergangen ist, egal ob Wolfsburg, Dortmund, dem AS Rom oder auch dem FC Barcelona. Und das machen die Bauern, weil sie es halt können.

Die Ausgangssituation war schon bescheiden. Ospina, Bellerin, Koscielny, Wilshere, Ramsey, Arteta, Rosicky, The Ox, Walcott, Welbeck – was fast wie eine “Starting XI” klingt, ist mal wieder die Verletztenliste. Stattdessen spielen Debuchy und Campbell, denen die fehlende Spielpraxis anzumerken ist und auf der Bank sitzen Macey, Chambers, Iwobi und Reine-Adelaide. Die Bauern dagegen in Bestbesetzung mit Robben und Vidal auf der Bank.

Wenn du dann nach 10 Minuten in Rückstand gehst, ist das Spiel schon fast gegessen. Debuchy und Gabriel erhalten eine Lehrstunde, Campbell und später Chambers könnten mal wieder ein paar Minuten mehr Spielzeit benötigen. Die Art und Weise, wie das Endergebnis zustande kam, zeigt jedoch auch eine Schwäche auf, die uns schon seit Jahren verfolgt. Die fehlende Kampfkraft. Wenn man merkt, dass man mit spielerischen Mitteln nicht zum Ziel kommt, dann muss der unbändige Wille auch mal den Weg ebnen. Und das passiert bei Arsenal einfach zu selten. Zu viele Schönspieler, zu wenige Kämpfer.

Ob allein dies gegen die Bauern gereicht hätte, ist zu bezweifeln, hat uns aber auch schon in vielen anderen Spielen gegen die Stokes und West Hams dieser Welt das Genick gebrochen. Die Vermutung liegt nahe, dass sich das unter Arsene Wenger nicht mehr ändern wird. Und das ist genau der Grund, warum es gegen Vereine wie Bauern oder Barcelona nicht reicht und nie reichen wird und deshalb regelmäßig spätestens im Achtelfinale Schluss ist. Allein spielerisch sind diese Mannschaften kaum zu schlagen, sondern nur mittels einer Mischung aus spielerischer Klasse und unbändigem Willen. Der fehlte und rechtfertigt somit das Ergebnis.

Nun startet bei vielen die Rechnerei, was dieses Jahr noch drin ist in der Champions League. 2 Siege gegen Zagreb und in Piräus (mit 2 Toren Unterschied, was uns ja bisher in Piräus zum Glück immer gelungen ist) und zusätzlich auf die Gnade der Bauern gegen Piräus hoffen. Und schon ist man dabei im Achtelfinale. Soviel zur Theorie. In der Praxis stellt sich die Frage: Macht das Sinn? Nur um als Gruppenzweiter wieder einen Topgegner zu bekommen und sich obligatorisch im Achtelfinale zu verabschieden? Die größte Katastrophe wäre aus meiner Sicht ein Gang in die Loser-League. Immer schön am Spursday verausgaben, um dann am Sonntag in der EPL zu versemmeln.

Mein Lösungsvorschlag?

Noch zweimal das Youth-Team in der CL ranlassen, sich mit einem respektablen 4. Platz aus Europa verabschieden und auf die EPL konzentrieren. Garantiert keinen Meistertitel, macht ihn aber aufgrund fehlender Doppelbelastung wahrscheinlicher. Zumal es wie die letzten 2 Jahre auch dieses Jahr nie wieder so einfach wird, Meister zu werden. Die einzige Konkurrenz dieses Jahr ist Man City. Außer die wilde Zausel-Bande aus dem Vorort von Everton bekommt jetzt einen Höhenflug.

Apropos Spursday. Sonntag steht das North London Derby an. Zeit, um die Leistung vom Mittwoch grade zu rücken. Wird nicht einfacher mit der Verletztenliste, aber zum Glück durften sich auch die Nachbarn am Donnerstagabend noch eine Runde quälen. Wir spielen zu Hause, die Spurs sind nicht die Bauern und jeder sollte wissen, worum es in diesem Spiel geht. Zeit, den Zauberstab wegzupacken und die Sense rauszuholen.

Ach eins noch zum Schluss: Ein Stück weit kann man die Bauern ob ihrer sportlichen Leistungen beneiden. Es ist auch überragend wie man No-Names wie Douglas Costa oder Kingley Coman für relativ überschaubares Geld verpflichtet, die dann mal kurz einen Vidal oder Robben auf die Bank schicken. Das nötigt selbst mir als Bayern-Hasser Respekt ab. Aber eins ging die letzten Jahre nicht, ging am Mittwoch nicht und wird in Zukunft auch nicht gehen: dieses versnobte, erfolgsverwöhnte, arrogante Theaterpublikum auf den Rängen der Arroganz-Arena. Ich behaupte ja nicht, dass im Emirates ständig die Hölle los ist, aber diese teils minutenlange Stille auf den Rängen (inklusive Schickeria) beim Stand von 4:0…ich find‘s erbärmlich. Die „Super-Bauern“ und „Europa-Pokalsieger“ stehen in München auf dem Platz und nur auf dem Platz, die Champions-League auf den Rängen findet in Dortmund, Schalke, auf St. Pauli oder in Dresden statt.

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von Jojo Waack

“Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn gebe, so romantisiere ich es.”
So hat Novalis schon um 1800 das Dasein eines Fußballfans geschildert. Vielleicht nicht absichtlich (schließlich begann der Fußball ja erst so richtig 1886), aber doch sehr treffend. Denn ganz rational betrachtet, ist es nicht sehr sinnvoll, 22 Männern zu zusehen, wie sie einem Ball hinterherjagen. Der Sinn wird dem Spiel nur von uns Fans gegeben, weil wir unser Team lieben und uns mit ihm identifizieren.

“When you start supporting a football club you don’t support it because of the trophies, or a player, or history, you support it because you found yourself somewhere there; found a place where you belong.” hat Dennis Bergkamp dazu gesagt. Warum sollten wir also, wenn wir aus ­für Nicht­-Fans nicht nachvollziehbaren Gründen angefangen haben, ein Team zu unterstützen, plötzlich die ganze Zeit über realistisch sein? Ich habe viele am Anfang der Saison sagen hören: “Sei doch mal realistisch, wie sollen wir mit diesem Team die Liga gewinnen?” Aber wer hat Arsenal ‘89 in Anfield zugetraut, mit zwei Toren Vorsprung zu gewinnen? Wer hat Arsenal im August 2003 zugetraut, die folgenden neun Monate kein einziges Ligaspiel zu verlieren? Wer hat Thierry Henry zugetraut, nachdem er von Juventus ausgemustert wurde, Arsenals Rekordtorschütze zu werden? Wir sind Fans! Wir müssen nicht realistisch sein! Der ganze Punkt darin, Fan eines Vereins zu sein, ist doch, sich nicht von Nebensächlichkeiten wie Siegen oder Pokalen ablenken zu lassen, denn gäbe es dann noch Menschen, die tatsächlich Blackpool oder den AFC Wimbledon unterstützen?

Das beste Beispiel dafür ist Portsmouth. Pompey ist in den letzten fünf Jahren von der Premier League in die Football League 2 abgestürzt und hat keine Aussicht auf eine baldige Rückkehr in die höchste Spielklasse Englands, geschweige denn auf den FA Cup oder ähnliches. Und trotzdem kamen durchschnittlich 15 000 Fans zu den Heimspielen im Fratton Park. Der Club wurde nach der finanziellen und sportlichen Talfahrt sogar von Fans übernommen.

Arsenal hat einen der besten Torhüter Europas, eines der besten Innenverteidigerpaare der Premier League, den vielleicht besten Linksverteidiger der Liga und einen Rechtsverteidiger, der sich mit jedem Spiel defensiv verbessert und offensiv im letzten halben Jahr sowohl dem Linksverteidiger von Liverpool als auch dem Linksverteidiger von Manchester United Alpträume bereitet hat. Davon abgesehen spielt auch noch die beste #10 der Welt für uns und Alexis Sanchez hat Uniteds Rechtsverteidiger dermaßen zerstört, dass er bis heute im Umkleideraum für die Auswärtsmannschaft im Emirates sitzt und durchgehend “macht, dass es aufhört” murmelt.

Wir sind zwei Punkte vom Tabellenführer entfernt. Es sind noch 30 Spiele zu spielen. Und das in einer Saison in der West Ham Arsenal und Liverpool auswärts geschlagen, aber zu Hause gegen Leicester City und Bournemouth verloren hat. In einer Saison, in der Leicester City in der Liga am längsten ungeschlagen geblieben ist. In einer Saison in der Jamie Vardy die meisten Tore erzielt hat, obwohl er erst vor drei Jahren zu einem höherklassigen Team gewechselt ist. In einer Saison, in der ein José­ Mourinho­ Team 16. ist und mehr Tore kassiert hat als der gerade erst aufgestiegene AFC Bournemouth, der ein Stadion hat, das gerade einmal 11.700 Leute fasst. In dieser Saison, und in dieser Liga, ist alles möglich. Also seid nicht realistisch, denn Fußball ist nicht realistisch. Seid doch mal romantisch!

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German Gooners,
was für eine schöne Saison doch hinter uns liegt!
Community Shield gegen Citeh gewonnen, FA Cup erfolgreich verteidigt
und die direkte CL Qualifikation gesichert.
Fabulöse Tore von Ramsey (vs Galatasaray), Sanchez (vs Villa), Jack (vs Westbrom), usw. usf.

Wer war Euer Spieler der Saison gewesen?

Einfach den Namen des Spielers in die Kommentare.
Zu gewinnen gibt es auch etwas:

Unter allen TeilnehmerInnen verlosen wir ein besonderes Präsent
(kleiner Tipp: FA Cup 2015 Merchandise).

(*Der Rechtsweg ist ausgeschlossen*) 

Spieler der Saison Voting

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geschrieben von Norman E.


Ja, auch ich gehöre zu der ‚Sportschau-am-Sonntag-berichtet-vom-englischen-Fußball’-Generation. Das war Ende der Achtziger. Zu der Zeit mischte ein Hamburger Traditionsverein mit seinem staubigem Millerntor gerade kräftig die Bundesliga auf. Und ich mischte jedes Wochenende mit – ganz nach dem Motto ‚Support gegen den Abstieg’. Und eine der wahrscheinlich ersten internationalen Fanfreundschaften befand sich in der Entstehung. Nicht zuletzt durch Reiseberichte im Fanzine ‚Millerntor Roar’ entwickelte sich zwischen den Fans des FC St. Pauli und Celtic Glasgow eine innige Verbindung, die bis heute Bestand hat. Die Faszination eines grünweißen stimmgewaltigen Supports durfte ich später während der UEFA-Cup Spiele in Köln und Dortmund erleben und sie packte auch mich. Allerdings hing ich ja bereits 1989 sonntags gegen 18.00 Uhr vor der holzumkleideten Flimmerkiste, um das Herzschlagfinale in der Football League zu verfolgen– ‚It’s up for grabs now!’ und die Analysen von Tony Woodcock brachten ein Flair der scheinbar unerreichbaren englischen Atmosphäre in unser Wohnzimmer.

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Im Jahre 1993 am 17. Mai war es dann soweit. Ich ging zu einem Heimspiel der Gunners. Und es sollte nicht der einzige 17. Mai bleiben, den ich mit Arsenal verbrachte.

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Meine Freundin und ich begaben uns also im Mai ’93 zu einem 6tägigen Aufenthalt nach London, fußballtechnisch nur ausgerüstet mit unseren Totenkopfpullis. Als wir unser B&B  betraten, lief auf Kleinbildschirm  am Empfang gerade das FA-Cup Finale zwischen Arsenal und Sheffield Wednesday, bzw. dessen erster Teil. Da das Spiel nach Verlängerung mit einem sehr zähen 1-1 zu Ende ging, sollte es 5 Tage später zum Replay kommen. Wir hatten englischen Fußball eigentlich eher nicht in unsere Sightseeing-Pläne aufgenommen. Zumal die Saison ja schon vorbei war. ‚Aber wieso eigentlich nicht Wembley?’, dachten wir uns spontan. Woher aber Tickets bekommen? Der Tipp, dass man bei den Zeitungs- und Souvenirhändlern immer fündig würde, entpuppte sich als Mythos. Und das Angebot des Zeitungshändlers direkt am Big Ben, Tickets für einen 3stelligen Betrag besorgen zu können, lehnten wir dankend ab. Also fuhren wir unter der Woche lieber in Richtung Highbury um dort unser Glück zu versuchen. Bereits auf dem Weg zum Stadion überholten uns einige Autos mit Arsenal-Fans und am Stadion schockte uns eine unfassbar lange Schlange vor den Tickercountern. Die traditionelle Warteschlange vor der Tube in der 85. Minute eines Heimspiels war nichts dagegen. Wir sahen unsere Chancen auf dem Nullpunkt und gingen wir erst einmal zum Stöbern in den Arsenal-Shop am Clock End. Dort erfuhren wir, dass es noch Left Over-Tickets für das Replay am kommenden Morgen ab 9.30 Uhr geben würde. Wenn wir so um 6.00 Uhr da wären, hätten wir gute Chancen. Ja, sicher…na gut, dann war eben ‚früh ins Bett gehen’ angesagt. Aber weshalb waren dann am heutigen Abend in N5 noch so viele Menschen unterwegs?  Die Antwort war so einfach wie auch überraschend. Der frischgebackene und erste Meister der Premier League Manchester United gab sich die Ehre, ein Testimonial gegen Arsenal zu bestreiten, und zwar das ‚David O’Leary Farewell Match’. Der irische National- und Rekordspieler bei Arsenal sollte in seiner letzten Saison für die Gunners mit einem Abschiedsspiel entsprechend gewürdigt werden. Bis heute hält O’Leary mit insgesamt 722 Einsätzen den einsamen Vereinsrekord. Verdient hatte er es sich also. Aber zwei Tage nach dem FA Cup Final Teil 1 und vier Tage vor dem FA Cup Final Teil 2 tatsächlich noch ein Testspiel? Tja, man muss eben Prioritäten setzen.

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Tatsächlich ergatterten wir noch 2 Tickets für 10 anstatt 4 Pfund und das Spiel bot alles, was man sich wünscht: ein ‚leistungsgerechtes’ 4-4, einen beeindruckenden Kader des Champions, viele amüsante wie auch emotionale Momente und nicht zuletzt ein Tor von O’Leary himself. Und trotzdem war im Nachhinein etwas anderes das ganz Besondere bei diesem Stadionbesuch. Ich meine den Moment, als wir das Arsenal Stadium betraten und im Clock End Platz nahmen bzw. einfach stehen blieben. Das Clock End war zu diesem Zeitpunkt nämlich noch eine Stehplatztribüne, die bis an den East und West Stand heranreichte. Die Blöcke waren durch massive Zäune getrennt, über die heute wohl niemand mehr freiwillig  drübersteigen würde. Vom Millerntor kannte ich es nicht anders. Aber hier im Highbury sollte es das letzte Spiel mit Stehplätzen sein. Die North Bank stand kurz vor der Fertigstellung als reine Sitzplatztribüne. Sie war noch von der berüchtigten, viel zu klein geratenen Holzwand verdeckt, auf der die zukünftige Tribüne als Gemälde den Eindruck eines vollen Stadions vermitteln sollte. Dass zunächst fast nur hellhäutige Zuschauer abgebildet waren, hatte bekanntlich für einige Unruhe und Retusche gesorgt. Auch die Werbung für die überteuerten Bonds stieß auf Unmut, der in einem relativ erfolgreichen Widerstand der Fanszene mündete. Die Auswirkungen des Taylor Reports waren deutlich spürbar und das Spiel daher mit 22,117 Zuschauern so gut wie ausverkauft. Verhältnisse wie am Millerntor möchte man meinen. Mitnichten, wenn man bedenkt, wer sich da gerade vor einem auf dem Platz befand, und dass es keinen Zaun zwischen uns und dem Spielfeld gab. Ach ja, ein gewisser Ryan Giggs war auch schon dabei (und hat sich damals schon nicht den Nacken ausrasiert). Als Andenken wurde sich noch schnell das Matchprogramm besorgt. Am Abend vor unserem Rückflug wurde dann noch 119 Minuten gebangt und gezittert, ehe Andy Linighan per Kopf für die Erlösung und den 7. Titel für O’Leary mit Arsenal an dessen letztem Spieltag für die Gunners sorgte. Für eine fußballfrei geplante Woche eine ziemliche Gratwanderung, die mich so schnell nicht losließ.
Die Zuneigung für den Club resultierte u.a. in einigen Berichten in verschiedenen Fanzines und in der Gründung des Fanclubs ‚Sankt Pauli Gunners’, der auf Schalke sogar den 5. Platz bei der Deutschen Fanclubmeisterschaft erreichte. Der Fanclub ermöglichte es uns auch, regelmäßig eine ordentliche Anzahl an Karten aus London zu erhalten. Das Internet bestand damals übrigens aus Anschreiben, Briefmarke und Verrechnungscheck.  Zudem ergab sich bald die Chance, in die sogenannte Ticket Registration Scheme aufgenommen zu werden, dem Vorläufer der heutigen Silver Membership.

Mein erster richtiger Kontakt zu Arsenal Germany entstand übrigens erst beim CL-Spiel im Schneetreiben von München mit einer handfesten Schneeballschlacht im Olympiastadion.  Man kannte sich vorher halt so vom sehen (und dem FCSP).
Und plötzlich war auch der 17. Mai wieder da. Auf den Tag genau 13 Jahre nach meinem ersten Mal flogen wir gemeinsam am 17. Mai 2006 nach Paris und mussten eine bittere Niederlage gegen Barcelona miterleben. Die Ereignisse in den Katakomben des Stade de France nach Abpfiff retteten allerdings den gebrauchten Abend, nicht wahr Mr. Davis?!

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Im vergangenen Jahr, ebenfalls am 17. Mai und dieses mal 21 Jahre nach meinem ersten Spiel, ging es für mich wieder nach London. Zum FA Cup Finale gegen Hull City. Das Ergebnis ist allen gut bekannt, wobei ich dieses mal glücklicherweise nicht bis zur 119 Minute warten musste. Vielmehr waren es 9 ganze Jahre auf den nächsten Titel. Abgerundet wurde das erfolgreiche Wochenende von einer tollen Parade bei grandiosem Wetter. Aber „dieser eine Moment“, den gab es schon während des Spiels gegen Hull in Wembley. In der Halbzeitpause kam ich mit meinen Platznachbarn ins Gespräch. Wir amüsierten uns über die älteren Herrschaften mit Ihrem lang gezogenen ‚Sit dooooown!’ und über die Stewards, die kläglich versuchten, dieser Forderung während eines Pokalfinales nachzukommen. Als ich erwähnte, dass ich aus Hamburg angereist war, riefen meine Platznachbarn gleich mal Ihre Verwandten aus Hamburg Eppendorf an! Und die erste Frage, die vom anderen Ende der Leitung an mich gestellt wurde, war dieses typische „HSV oder St. Pauli?“… Natürlich wollten meine Londoner Nachbarn auch wissen, wie ich denn zu Arsenal gekommen sei. Also erzählte ich die Geschichte vom 17. Mai 1993. Das Pärchen neben mir guckte sich lachend an und antwortete mit einem breiten Grinsen „ Oh, das David O’Leary Farewell Match? Das war auch unser erstes Spiel von Arsenal!“

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Groundhog Day? Same procedure as last year?

Macht überhaupt nix, denn Arsenal steht mal wieder im Pokalhalbfinale. Und wieder gegen einen Zweitligisten wie im vergangenen Jahr. War ein verdammt hartes Stück Arbeit gegen Wigan, wodurch das Team aber definitiv weiß, was sie heute erwartet.

Anders als im vergangenen Jahr ist Arsenal jetzt in Topform, hat so gut wie keine Verletzten (nur Arteta und Ox fallen aus) und den besten ´Run´ seit 2004 mit acht Siegen in Folge. Reading hingegen ist 18. (von 24) in der Liga, noch nicht komplett safe, hat seit fünf Spielen nicht mehr gewonnen und sogar – anders als der AFC – eine englische Woche hinter sich: Dienstag gab es ein 0-1 zu Hause gegen Bournemouth (den wahrscheinlichen Sensationsaufsteiger). Die Vorzeichen könnten also nicht klarer sein ..

Schlechtes Omen vielleicht: am Montag hat unsere U21 in der Liga gegen Reading gespielt – und 0-1 verloren (Torschütze war zudem noch der Sohn von Martin Keown, der möglicherweise heute auch spielt).

ABER: Abgesehen von der Form und dem Leistungsvermögen der beiden Teams ist eines ganz wichtig: Es ist von unschätzbarem Vorteil, dass wir das Ding letztes Jahr gewonnen haben, denn eines wird unser Team bei weitem nicht mehr so heftig haben wie damals gegen Wigan und Hull (oder 2011 gegen Birmingham): Versagensangst. Uns allen ging ja dieses ewige ´x-years without a trophy´ schon mächtig auf den Sack und von geneigten Medien etc. wurde ja auch genüsslich darauf rumgeritten. Hätten wir damals gegen Wigan verloren, wäre der Verein implodiert (also: DANKE nochmal, Per!). Haben wir aber nicht. Und das Endspiel auch nicht. That monkey is off our back now. Das wird die Mannschaft hoffentlich/wahrscheinlich etwas freier im Kopf machen, damit sie so kicken, wie sie es eben können. Und dann wird alles gut …

Historisch gesehen gibt es eigentlich keinen besseren Gegner als Reading: bislang gab es 12 Spiele gegeneinander und alle 12 hat Arsenal gewonnen (37-12 Tore). Selbst eine 4-0 Halbzeitführung hat den Royals im Oktober 2012 im League Cup nicht gereicht: Endstand 7-5 für Arsenal!

– von den letzten 38 Cupspielen gegen unterklassigen Teams hat Arsenal nur eines verloren

– die neun Arsenal-Tore im Pokal verteilen sich auf acht Torschützen (nur OG hat 2)

Santi Cazorla hat in seinem Leben einen einzigen Hattrick erzielt – gegen Reading …(nicht beim 7-5!)

– für Reading hat Robson-Kanu allein 3 x getroffen (in der Liga allerdings nur 1 x)

fast noch nie hat Reading vor so vielen eigenen Fans gespielt: beide Vereine bekommen je 31.000 Tickets, deren Stadion fasst aber z.B. nur 24.000. Bei denen konnte jeder DK-Inhaber 3 Karten ordern – Arsenal hingegen hat alleine 42.000 DK-Inhaber … (ergo werden sehr viele Gooner jede Menge Karten von Reading-´Fans´ gezogen haben ..)

– es ist die zweite Halbfinalteilnahme für Reading (1 x verloren)

– für Arsenal ist es die 28. Teilnahme (18 x gewonnen, 9 x nur dabei gewesen)

– 28 ist englischer Rekord (nachfolgend: MU 27, Everton 25, Liverpool 23, Chelsea 21, West Brom 20, Villa 20, Spuds 19, Blackburn 18,    Newcastle 17, Sheff. Wed. 16, Sheff. Utd 14, Wolves 14, Bolton 14, Derby 13, Sunderland 12, dann erst City mit 12 .., Southampton 11, N. Forest 10, Preston 10 … Leyton Orient 1 – gegen Arsenal 0-3)

– für Arsene Wenger ist es die zehnte Teilnahme (6 x gewonnen)

– Arsenal ist die mit Abstand erfolgreichste Mannschaft im Cup in den letzten 20 Jahren (und AW entsprechend der Coach)

B E L I E V E !

Am Rande: etwas irritierend ist, daß fast zeitgleich das Ligaspiel der Milliardenschieber angesetzt ist. sehr seltsame TV-Planung in England

 

 

 

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Zur Diskussion im Forum, bitte einfach den folgenden Link aufsuchen:

Forum: FA Cup Semifinals (Diskussion)

Bevor wir Euch morgen mit dem gewohnten Pre-Match-Bericht abholen, heute noch ein kurzes Round-Up zur gestrigen Pressekonferenz von Arsene Wenger:

  • SZCZ wird morgen definitiv im Tor stehen, so Wenger. Zum weiteren Verbleib von SZCZ im Verein gab er sich etwas kryptisch und wies – wie gewöhnlich – darauf hin, dass Competition noch niemandem geschadet hat.
  •  Angesprochen auf den Vorstoß von Richard Kitty (professioneller Sprinter), der 30.000 £ geboten hatte, sollten Hector oder Walcott ihn im Sprint besiegen, gab AW zu Protokoll, dass er tatsächlich selbst nicht glaubt, dass einer der beiden Arsenal-Protagees gegen einen professionellen Sprinter gewinnen könnte. Es sei eine andere Art von Sprints, die beim Fussball gefragt sei. Hierbei käme es u.a. auf die Schnelligkeit im Kopf an und wie man das Spielgeschehen liest.
  • Natürlich kam auch das Thema „Klopp“ zur Sprache. Arsene befand den ganzen Rummel als „Zirkus“ und wollte sich nicht auf Spekulationen einlassen. An der Stelle ein Gruß an Piers Morgan, der einen Wechsel von Wenger zu Klopp gefordert hatte – you know what you are = a massive c***!
  • Im Bezug auf das morgige Spiel gegen Reading gab Wenger an, dass die Mannschaft in dieser Saison weitaus gefestigter sei und nun – dank dem Semi gegen Wigan im vergangenen Jahr – einschätzen könne, was sie morgen erwartet. Man wolle versuchen – wie in der Liga zuletzt – früh das Spiel zu gestalten und auf ein schnelles Tor zu drängen.
  • Team-News: Der verfügbare Kader hat aktuell eine Größe von Lichtenstein. Einzig The Ox (laut Wenger „at least 2 weeks“) und Arteta sind nicht verfügbar.

Anderorts wurde Alexis Sanchez gestern für den PFA Players‘ Player of the year-Award nominiert. Vollkommen verdient, kann man da nur attestieren.

Die Spannung steigt – noch knapp 32 Stunden bis die Gunners im Wembley auf Reading treffen. Bis dahin einfach nochmals ein bisschen in Erinnerungen schwelgen und den „She Wore“-Gesang wieder studieren:
(PS Sagna und Vermaelen sind natürlich nicht dabei – Jenko leider auch nicht. Video ist von letztem Jahr)

PS Da die Jungs ja vor Kurzem zu ihren Motivationssongs vor dem Spiel gefragt wurden – ich empfehle grundsätzlich was von Waka Flaka Flame („Hard in the paint“) oder A$AP Ferg („Work“). Wenn man’s nicht so mit neuzeitlichem Rap hat – Karate Tiger OST geht immer („(…) caus‘ your biggest challenge – is the one that lies within yourself“):

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Da sitzt man abends mir nichts, dir nichts auf der Couch und schaut mal im Whatsapp-Chat vorbei. Eigentlich sind keine relevanten Arsenal-Thematiken auf dem Program. Auf einmal fällt der Name „Tottenham“ und siehe da – unsere kennen den Kader der Spu*s offensichtlich recht gut. Die Konversation sollte im Verlauf noch Spieler von Arsenal, Dortmund, PSG und Bayern beinhalten und wird tatsächlich noch weitergeführt. Zeitvertreib im Web 2.0. The Arsenal Germany way…

Arsenal Germany Arsenal Germany Arsenal Germany
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Leider ist unser Forum in letzter Zeit ein wenig verebbt was wir natürlich sehr bedauern. Die Gründe können wir auch relativ simpel anführen: Es ist 2015 – der Großteil der Gesellschaft tummelt sich in den Sozialen Netzwerken. Für viele junge Leute sind Facebook und Twitter die Foren der Neuzeit. Während man vor Jahren noch glücklich über die Anonymität von Foren war, interessiert es heute kaum noch jemanden, ob man eine bestimmte Meinung einer realen Person zuordnen kann. Davon kann man jetzt halten, was man will.

Diese Entwicklung ist – wie anfangs erwähnt – nicht spurlos an uns vorbei gegangen.
So findet man uns seit November 2012 2 x auf Facebook.

Einmal präsentieren wir unsere offizielle Facebook-Seite (für alle zugänglich) unter:

Na na na nananana. Olivier Giroud La Page Officielle beweist in dieser Saison abermals, dass enorm grosses Potential in…

Posted by Arsenal Germany (OFFICIAL) on Wednesday, 8 April 2015

Weiterhin haben wir noch eine Gruppe für unsere Mitglieder, die nur zugänglich ist, wenn man registriertes Mitglied bei Arsenal Germany ist. Wer da noch nicht drin ist, aber offizielles Mitglied bei uns, der solle bitte unter info@arsenalfc.de kurz laut geben.

Seit März 2013 findet man uns ebenfalls auf Twitter, wo wir eigentlich nur unsere Facebook-Posts teilen und ab und an bei einigen Arsenal-Aktionen teilnehmen. Ist allerdings der schnellste Kanal um Echtzeit-Informationen abzurufen und Statistik-Edu’s Liebling:

Wem das alles noch nicht reicht, der kann sich – insofern sie/er Mitglied ist – auch in unsere Whatsapp-Gruppe einladen lassen, wo an Spieltagen auch gerne mal 400-500 Nachrichten die EmpfängerInnen wechseln und es zwischen Wenger In und Wenger Out auch gern mal etwas detaillierter zugeht.

Zu guter Letzt kann man unseren Blog-Feed abonnieren. Dann bekommt ihr – sobald wir einen neuen Text auf die Homepage gestellt haben – eine Nachricht per EMail. Ist eine praktische Lösung und man bleibt immer im Bilde, was bei uns passiert. Den sogenannten Feed könnt ihr hier abonnieren:

Arsenal Germany Blog Feed

Wir hoffen, wir lesen uns in irgendeinem unserer Kanäle. Am Liebsten im Forum.

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Geschrieben von Finn the Gooner

Diese Frage hat sich der Ein oder Andere bis vor kurzem sicher noch gestellt, wenn er auf die Startaufstellung von Arsenal geblickt hat. Sein Debüt gab der heute 23 jährige Franzose 2011, ausgerechnet bei der 8:2 Niederlage gegen Manchester United. Damals wurde der unerfahrene Jugendspieler aus Personalmangel unvorbereitet ins kalte Wasser geworfen.

Man findet seinen Namen sogar in der Autobiografie von Sir Alex Ferguson wieder;

“Arsenal played a young boy in midfield; Francis Coquelin, he was completely out of his depth. I had hardly heard of him and he barely played again.” sagt Fergie. 

Auch heute ist Francis Coquelin eigentlich nur dank personellem Engpass wieder im Team. Nach einer eher weniger erfolgreichen Leihe nach Freiburg holte man ihn notgedrungen mitten in der Saison aus einem Leihgeschäft mit Charlton zurück. Was eher nach Verzweiflung als nach Geheimplan aussah erwies sich als goldrichtig, seit Coquelin mit im Boot ist geht es bergauf!

Zum Zeitpunkt seiner Rückkehr stand Arsenal nach der Niederlage gegen Stoke auf Platz 6, heute steht das Team nach dem 4:1 Sieg gegen Liverpool auf Platz 2! Coquelin’s Stärke liegt in der Einfachheit seines Spiels. Er hält seine Position und kümmert sich 90 Minuten lang nur um die Defensivaufgaben.

“I’m an aggressive midfielder in front of the back four, I’m trying to do the defensive work for the players who play up front. I try to give my best, get the ball as quick as possible to play it to the players who have got a little bit more ability than me on the ball.“

So einfach erklärt Le Coq selbst seine Spielweise. Genau so simpel wie genial.

Seine Statistiken sprechen Bände: 97 gewonnene Duelle hat er seit seiner Rückkehr aufzuweisen (Stand vor dem Liverpool Game). Premier League Bestwert! Das sind ganze 20 mehr als der nächstbeste Ashley Barnes. Außerdem hat er 37 Interceptions (ebenfalls Bestwert) und 39 Tackles (Platz 2 in der PL nach Zabaleta) gemacht. Es sind genau diese Statistiken die das Spiel von Arsenal gebraucht hat. Es wirkt fast so als füllt Le Coq den kämpferischen Aspekt, den man so oft vermisst hat, ganz alleine aus.

Seine disziplinierte Defensivarbeit erlaubt es Spielern wie Özil vorne frei aufzuspielen und auch Cazorla funktioniert als kreativer 6er neben Coquelin wunderbar. Bereits wenige Spiele nach seiner Rückkehr kam die Frage auf, ob er die Dauerlösung für diese so wichtige 6er Position sein könnte. Auch wenn ich da anfangs noch skeptisch war ist diese Frage heute nach mittlerweile 15 guten Spielen zumindest gerechtfertigt.

Dass Wenger von dieser Idee nicht ganz abgeneigt zu sein scheint, zeigt sich darin, dass Coquelin vor Kurzem einen neuen Vertrag über 4 Jahre unterschrieben hat.

“This is what is magic about football, one day, you are unknown and the next day, you are a bit bigger.“

So bescheiden beschreibt Coquelin die unerwartete Wende in seiner Karriere. „A bit bigger“ ist für meinen Geschmack ein bisschen tiefgestapelt. Ob er für Arsenal tatsächlich „the next big thing“ ist, wird sich zeigen.

Fakt ist: Seit seiner Rückkehr wirkt das Team deutlich sicherer und disziplinierter in seinem Auftreten und auch nach dem 4:1 Sieg gegen Liverpool kann man sagen, dass Arsenal definitiv das Momentum hat. Mal sehen, wo das Ganze diese Saison noch hinführt.

Noch Fragen, Fergie?

Finn the Gooner

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