Arsenal – das erste Mal 3.75/5 (4)

In unregelmäßiger Reihenfolge erzählen hier ja German Gooner davon, wie sie zu Arsenal gekommen sind bzw. ihr erstes Spiel erlebt haben. Dieses Mal berichtet Michael von seinem ersten Spiel im Emirates. Enjoy:

Das war er also: mein erster Abend beim Arsenal FC!
Doch wie kommt man als waschechter Emsländer zu den „Gunners“?
Letztlich ist es ebenso einfach wie klassisch: Mein älterer Bruder verfällt dem
Ballgefühl von Dennis Bergkamp. Als ca. 9-jähriger Bengel stehe ich ihm natürlich
nichts nach. Tja, und dann rennen da noch die Henrys, Ljungbergs und Pires herum.
PS: Die Drehung Bergkamps vor seinem Tor gegen Newcastle habe ich bis heute
nicht kapiert.
Darüber hinaus brachte mich jener französische Stürmer zum Arsenal FC, der einst
beim AS Monaco im Schatten von Victor Ikpeba stand: Irgendwann während dieser
Zeit kehrte ein Kumpel meines Bruders mit einem Haufen Trikots aus dem
Strandurlaub zurück. Ich bekam das rote Trikot mit dem – naja, ich nenne es
trotzdem mal „Flock“ von Henry. Ich weiß bis heute nicht, aus welcher Saison das
stammt. Klar: Es war ja von Grund auf gefälscht. Das war aber egal. Stolz wie kein
Zweiter nahm ich es mit zum E-Jugendtraining.
Aber zurück ins Jahr 2017: Europaleague! Es war, wie erwartet, das Heimspiel für
den „Effzeh“. Abgesehen von den Krawallbrüdern war das zugegebenermaßen stark
von den Kölner Anhängern. Das Tor von Córdoba ließ sie dann komplett eskalieren.
Umso schöner ist es, dass Arsenal in der zweiten Halbzeit die sportliche Antwort
liefern konnte. Die Einwechslungen von Alexis Sánchez und Kolasinac waren
goldwert. Sie sorgten mit ihren Toren zum zwischenzeitlichen 1:1 und 2:1 für die
verdiente Wende.
Warum man in Halbzeit 1 gegen den Tabellenletzten der Bundesliga so tief stand,
weiß keiner. Klar ist aber auch: Wir brauchen Alexis! Fragt mal den jungen Klünter,
der nur die Rücklichter gesehen hat. Was der Chilene dort wiedermal rausgehauen
hat, ist mehr als beeindruckend. Dann gab es noch das heimliche Highlight, welches
 
gar nicht so heimlich war: das Comeback von Jack Wilshere! Ein guter Junge, ein
guter Kicker wurde herzlich empfangen. Und ja, das ist untertrieben. Man wünscht es
ihm so sehr, dass er verletzungsfrei bleibt. Mertesacker kann es übrigens immer
noch. Der kommt mit seinen Gräten überall hin. Die Aufstellung? Man entfacht beim
Publikum sicher kein Feuer, wenn man „nur“ die zweite Garde auflaufen lässt. Die
Euphorie hält sich aufgrund des Nicht-Erreichen der Champions League ohnehin in
Grenzen. Nüchtern betrachtet, geht die Rechnung bis dato auf. Insofern wurde alles
richtig gemacht. Auf Dauer kann dies aber gefährlich werden. Es freut mich jedoch,
dass die jungen Talentierten ihre Chance bekommen.
Alles in Allem war es ein grandioser Besuch im Stadion des Arsenal FC, nach dem
ich mich seit Kindertagen gesehnt hatte. Bitte mehr davon! In diesen Tagen ist Demut
angebracht, aber ich traue Arsenal in diesem Wettbewerb den großen Wurf zu.
Vielmehr hoffe ich darauf. Vielleicht finden dann ja ein paar Anhänger mehr den Weg
in die Euro-League-Oper.
Michael Keck

Beitrag bewerten

Evolution 5/5 (2)

Schon Shakespeare ließ seinen Hamlet an Grundsatzfragen zweifeln: FIFA oder PES – das ist hier die Frage …

Nun, Arsenal hat da jetzt mal zur Entscheidungshilfe für Gooner beigetragen und heute eine offizielle Partnerschaft mit Konami – den Machern von Pro Evolution Soccer – verkündet. Vielleicht einen Monat zu spät, die 2018er Editionen sind ja schon auf dem Markt, aber für noch Unentschlossene sicher ein Wink, doch mal PES zu checken.

Spannend auch, daß auf dem offiziellen Bild zwar kein Alexis, aber ein Mesut Özil drauf ist. Was mag uns das sagen?

Beitrag bewerten

Is Class Permanent? 5/5 (2)

Und plötzlich dreht er den Spieß einfach um: Nachdem ´der Ritter in glänzender Rüstung´(?), aka Alisher Usmanov, im Mai noch versucht hatte, die Anteile am Club des zweitunbeliebtesten Amerikaners in Großbritannien für 1.3 Milliarden Dollar zu übernehmen, scheint ebendieser Amerikaner daran interessiert zu sein, die Aktien des Russen zu kaufen. Nichts könnte schlimmer sein als das, denn Usmanov ist Arsenalfan und würde, wäre er Besitzer des Clubs, investieren und uns an die Spitze Europas führen, während Kroenke als purer Geschäftsmann keinen Finger für das Wohlergehen seines – wie er es nennen würde – Franchises rührt. Oder?

Es gibt viel, das gegen Kroenke spricht. Meist ist das Erste, was man hört, die Mittelmäßigkeit seiner Teams in den USA, die auf der anderen Seite des Ozeans fast schon legendär ist. Daraus kann man schließen, dass er an sportlichem Erfolg kein Interesse hat, solange seine Investition regelmäßig Geld einbringt. Bei Arsenal war das eine Beratungsgebühr in Höhe von drei Millionen Pfund an seine Firma KSE, die er 2 x zugewiesen bekam, bis Druck von Seiten der Fans dem ein Ende bereitet hat. Worin genau diese Beratung bestand, für die eine Gebühr verlangt wurde, war nie ganz klar und selbst Ivan Gazidis hat sie eher halbherzig verteidigt. Dazu kommen die negative Bewertung der vergangenen drei Sommertransferfenster und der Verlust der Champions League und das Bild des geizigen Eigentümers ist komplett. Wenn da ein selbsterklärter Arsenalfan mit einem beachtlichen Vermögen daherkommt und genug Kritik am umstrittenen Manager und der Führung des Clubs übt, kann man die Zuneigung der Fans durchaus verstehen.

Wenn wir aber an dem einen Credo festhalten wollen, das vor allem während der kargen Jahre zwischen 2005 und 2014 immer wieder bemüht wurde, „Form Is Temporary, Class Is Permanent“, dann sollten wir einen genaueren Blick auf Alisher Usmanov werfen. Denn, wie sein enger Freund Roman Abramovic, hat er sein Vermögen in der chaotischen Zeit um die Auflösung der Sowjetunion in den 90ern gemacht und, wie Abramovic, ist er ein enger Vertrauter Vladimir Putins. Usmanov war Anfang der 80er Jahre sechs Jahre lang wegen Erpressung in Haft. Seine Zeitung „Kommersant“ war in einen Skandal involviert, der damit zu tun hatte, dass Usmanov den Herausgeber nach einem kritischen Artikel über Putin und seine Partei feuerte und daraufhin heftig von Journalisten kritisiert wurde. Außerdem drohten seine Anwälte Internetseiten und Bloggern, die eine überaus heftige Anschuldigung des ehemaligen britischen Botschafters in Usbekistan, Craig Murray, verbreiteten oder auch nur darauf verwiesen, mit Klagen. Er ist also nicht unbedingt ein angenehmer Zeitgenosse und jede seiner Investitionen als Eigentümer wäre kritisch zu betrachten, wenn wir wirklich darauf beharren wollen, dass Arsenal ein würdevoller Klub ist.

Wir können uns über Kroenke auslassen, wie wir wollen: Die wahrscheinlichste Alternative ist nicht unbedingt besser. Was dabei auch nicht vergessen werden darf, ist, dass wir seit Kroenkes Übernahme des Clubs 2011 keineswegs in einer Abwärtsspirale gefangen sind. Im Gegenteil: Drei FA-Cups in vier Jahren und Vizemeister in der Saison 2015/2016 kann sich durchaus sehen lassen. Die Frustration besteht eher darin, dass wir anscheinend keinen Ehrgeiz zeigen, die Champions League oder Premier League zu gewinnen. Begründet wird das mit fehlender Investition in den Club. Während dieses Argument durchaus seine Berechtigung hat (immerhin haben wir im Sommer lächerlicherweise einen Gewinn eingefahren), möchte ich an dieser Stelle auf die Akademie verweisen. Wenn Kroenke wirklich kein Interesse an einer langfristigen Wettbewerbsfähigkeit mit den größten Vereinen Europas hätte, hätte er die Sanierung der Akademie in Hale End sicherlich nicht gebilligt. Denn Mittelmäßigkeit lässt sich durchaus halten, ohne eine der weltbesten Ausbildungsstätten für Fußballer zu bauen. Die Talente in Hale End werden nicht nur im Fußball ausgebildet. Jeder, der einen Vertrag erhält, soll seine GCSEs (also die Mittlere Reife) bestehen und tut dies, laut dem Verein, im Durchschnitt besser als von seiner Schule erwartet. Arsenal ist durchaus bewusst, dass die meisten der jungen Spieler keine Profifußballer werden und misst der akademischen Ausbildung ebenso viel Bedeutung wie der fußballerischen bei. All dies spricht für die Klasse, die Arsenal zeigt und ausmacht, und wäre absolut nicht notwendig für einen Eigentümer, der ausschließlich daran interessiert ist, mit nur der nötigsten Investition des Vereins so viel Geld aus selbigem zu ziehen wie möglich. Abgesehen davon ist es nicht ungewöhnlich, dass Eigentümer kein Eigenkapital in ihren Verein stecken. Der Anstieg in Scheichs, Ölmagnaten und ganzen Staaten, die Fußballclubs kaufen, täuscht darüber hinweg, dass der Eigentümer traditionell zuallererst Verwalter und nicht Investor ist. Dass Geld allein keinen Erfolg bringt, kann man außerdem an Manchester United sehen, die, trotz im Transfermarkt ausgegebener Unsummen, weniger Erfolg als wir seit dem Ruhestand von Sir Alex Ferguson hatten.

Natürlich wäre es mir lieber, wenn Kroenke mehr Enthusiasmus zeigen würde und wenigstens ein bisschen Geld in den Verein investieren würde, wenn Arséne Wenger nicht jede einzelne Entscheidung ohne Hilfe und Kontrollinstanz treffen würde und wenn wir in einem Transferfenster endlich mal alle unserer Probleme beheben würden und nicht nur zwei Drittel. Aber dafür möchte ich nicht in Kauf nehmen, sagen zu müssen, dass der Eigentümer meines Vereins die Pressefreiheit in seinem Land einschränkt, über halbseidene Wege an sein Vermögen gelangt ist und Vladimir Putin unterstützt.

Jojo Waack

Beitrag bewerten

Vlad (The Impaler?) in the squad Bisher keine Bewertungen

Ein Abendspiel in der Europa-League. In Osteuropa. Und Vlad Dracula ..äh, Dragomir ist zum ersten Mal im Kader bei Arsenal. Passt …

Aber er sitzt natürlich auf der Bank:

Ospina, Holding, Mertesacker, Mustafi, Nelson, Elneny, Willock, Maitland-Niles, Wilshere, Walcott, Giroud

Subs: Macey, Dasilva, Gilmour, McGuane, Dragomir, Akpom, Nketiah

What a bench – aber bei der skandalösen Ansetzung des West Brom Spiels kein Wunder. Und das nächste Spiel ist ja schon Sonntag früh. Oder um mit Hasenhüttl zu sprechen ´Ein Schelm, wer Böses dabei denkt´…

 

Beitrag bewerten

Und schon wieder so viele Auswärtsfans … 5/5 (1)

Ja, heute ist auch Fußball: League Cup gegen die Doncaster Rovers (20.45 Uhr, live bei DAZN). Für die einen ist es Duplo, für die anderen … äh, egal, aber wenn wir die Europa League gewinnen wollen, müssen wir vorher auch mal den Ligapokal holen. Macht Mourinho ja auch immer so …

Es ist ja Pokal und Doncaster hatte gleich mal gefragt, ob sie mehr als 3.000 Tickets haben können. Und zack, bekommen sie 5.500 – und sie hätten auch 9.000 haben können (15% sind machbar im englischen Pokal). Fragt man sich doch, wieso es letzte Woche nicht möglich war, die Uefa zu umgehen und für entspanntere Verhältnisse zu sorgen …

Doncaster liegt im Norden in Yorshire, hat gut 100.000 Einwohner und einen Zuschauerschnitt von 6.000 – da sind 5.500 für Mittwochabend schon nicht schlecht. Aktuell spielen die Rovers in der dritten Liga (League 1) und dort auch eher schlecht als recht. Als größter Vereinserfolg steht die Drittligameisterschaft 2013 zu Buche – die Frauenabteilung (Doncaster Rovers Belles) ist da deutlich erfolgreicher: 2 x Meister, 6 x FA Cup – die waren in den 1990ern die Toptruppe im Frauenfußball, bevor die Arsenal Ladies danach jahrelang alles an die Wand gespielt haben.

Einmal bislang hat Doncaster gegen Arsenal gewonnen – das war allerdings 1902 in der damaligen zweiten Liga. Nach 1903 gab es nur Begegnungen im Ligapokal: 1953 4-0, 1987 ein 3-0 und 1-0 und 2005 ein 2-2.

Letzteres war ziemlich bemerkenswert: zum einen fand es quasi im Anschluß an das auf ewig beste Fußballspiel aller Zeiten statt und zum anderen hatte Arsenal damals sehr viel Glück – der Ausgleich zum 2-2 durch Gilberto fiel erst in der 120. Minute, und da in der Nachspielzeit. Dusel ohne Ende. Das Elferschiessen wurde dann dank Almunia 3-1 gewonnen.

Damals war das Spiel in Doncaster, heute im Emirates. Voll wird´s nicht, trotz Ticketpreisen von 10 und 20 Pfund. Im Upper Tier ist ziemlich viel Luft, aber das sieht man ja nicht im TV (aber immerhin: 35-40.000 werden es auf jeden Fall und das ist immer noch deutlich mehr als die 23.000, die die Spuds gestern hatten). Vielleicht lassen sich die Anwesenden ja wieder ein wenig anstecken von spaßhabenden Auswärtsfans wie eben letzten Donnerstag.

Trainer bei Doncaster ist übrigens der Sohn von Alex Ferguson (Darren). Dem wurde mal ne größere Karriere vorhergesagt, wird aber wohl vorläufig nichts. Und heute sollte sich da ja wohl nichts dran ändern.

Wir spielen wieder mit einer B-Elf, Wilshere und Chambers starten auf jeden Fall, womit unsere Elf evtl so aussieht:

Ospina / Chambers, Mertesacker, Holding / Maitland-Niles, Elneny, Wilshere, Willock / Nelson, Giroud, Walcott

Wird hoffentlich ein unterhaltsamer Kick. Viel Spaß dabei!

Arsenal survived a Carling Cup scare after Gilberto’s last-gasp goal forced a penalty shootout against Doncaster, which the Gunners won 3-1.

Rovers took a fourth-minute lead when Michael McIndoe squeezed the ball home but Quincy Owusu-Abeyie’s deflected shot forced extra-time.

In the 104th minute Paul Green put Rovers ahead but Gilberto tucked in Emmanuel Eboue’s cross at the death.

That set up spot-kicks, with Manuel Almunia the star as the Gunners won it.

 

  • Arsenal boss Arsene Wenger:
    „We showed a good Arsenal spirit and fought until the last seconds of the game and were rewarded.
    „I am very pleased with the spirit of the team and I feel at Newcastle, against Chelsea and tonight we have showed that great spirit.„The team is back on track and the team is ready to do well again.“


    Doncaster: Budtz, Fenton, Foster, Stephen Roberts, McDaid, Coppinger (Neil Roberts 102), Thornton (Green 85), Ravenhill, McIndoe, Guy (Oji 115), Heffernan.
    Subs Not Used: Fortune-West, Nielsen.

    Booked: Fenton, Ravenhill, McDaid.

    Goals: McIndoe 4, Green 104.

    Arsenal: Almunia, Eboue, Senderos, Djourou, Cygan, Hleb, Song Billong, Silva, Owusu-Abeyie (Larsson 78), Van Persie (Bendtner 33), Lupoli (Gilbert 106).

    Subs Not Used: Poom, Muamba.

    Booked: Cygan, Djourou.

    Goals: Owusu-Abeyie 63, Silva 120.

    Attendance: 10,006

    Referee: P Dowd (Staffordshire).

  • BBC, 21.12.2005

(ach ja, welches Spiel ist eigentlich gemeint mit dem besten und so: St. Pauli gegen Hertha. 4-3. Nach Verlängerung. Im Pokal. Mehr geht und ging sportlich wie emotional nicht. Aber das war doch klar, oder?)

 

 

Beitrag bewerten

Rot-Weiß London 2.75/5 (4)

Eins muss man den Kölnern ja lassen: Sich den rot-weißen Schal so zu binden, dass die Farben zwar sofort ins Auge stechen, das Wappen aber unter der Jacke versteckt bleibt, ist ziemlich clever. Komplett ohne jegliche Ahnung von den Grundregeln der englischen Fußballstadien anzureisen, jedoch weniger. Selbst wenn ein Auswärtsspiel in London beim besten Club der Welt für die meisten FC-Fans wahrscheinlich ein einmaliges Erlebnis ist, das man nicht verpassen möchte, sollte es nicht zu viel verlangt sein, ohne Ticket draußen zu bleiben und Stewards und Tore in Ruhe zu lassen. Arsenal hätte auf jeden Fall mehr Tickets freigeben können (wenn auch keine 20 000), vor allem, da klar war, dass das Stadion nicht voll werden würde. Dieser Fehler entschuldigt aber weder Gewalt gegen Menschen (obwohl das ganz ausdrücklich nur eine Minderheit war und alle Kölner, die ich gesehen habe, äußerst umgänglich waren) noch pseudo-journalistische Artikel in deutschen und englischen Zeitungen über den Verfall der Fankultur auf der jeweils anderen Seite des Kanals.

Dass das Spiel dank der Auswärtsfans um eine Stunde verschoben wurde und 45 Minuten lang niemand ins Stadion hinein- oder aus dem Stadion herausgelassen wurde, ist wahrscheinlich das Ärgerlichste an diesem ganzen Abend für die meisten Arsenalfans, vor allem für diejenigen, die einen langen Heimweg haben, am nächsten Tag arbeiten müssen und deswegen trotz gekaufter Karte nicht zum Spiel gehen konnten beziehungsweise ungewöhnlich früh (selbst für Emirates-Verhältnisse) das Stadion verlassen mussten.

Trotzdem war der home support – bis auf die letzten 20 Minuten der ersten Hälfte – den Kölnern oft genug mehr als gewachsen, jedenfalls von meinem Platz aus (ich habe gehört, dass das im Fernsehen nicht so rüberkam). Das Gleiche könnte man auch von der Mannschaft behaupten: Abgesehen von dieser unfassbar dämlichen Verkettung von Unfähigkeit und unglücklichen Umständen von gut zwei Dritteln des Teams, die zu Kölns Tor führte, hatten sie kaum Chancen. Arsenal in der ersten Hälfte aber auch nicht.

Ich werde mit der Dreierkette nicht wirklich warm, vor allem nicht gegen schwächere Teams. Das Fehlen des zusätzlichen Mittelfeldspielers bedeutet einen Verlust in der Ballbewegung, die Wenger sonst immer ausgezeichnet hat. Auch, wenn ein anderer Trainer das vielleicht auch mit einer Dreierkette schaffen würde, sehe ich das bei Wenger nicht kommen. Wenn dann Alex Iwobi gegen 10 Mann hinterm Ball komplett untergeht und weder mit Pässen noch Dribblings auch nur den entferntesten Schimmer eines Lichtes sieht, ist klar, daß das in der Vorwärtsbewegung nichts wird.

Dass wir nach der Umstellung auf die Viererkette sofort besser aussahen, war dann keine Überraschung. Und spätestens mit diesem zuckersüßen linken Fuß von Kolasinac war das Emirates wieder auf den Beinen (nein, nicht buchstäblich – leider). Alexis’ unglaubliches Tor beendete dann die Hoffnungen der Kölner auf ein Europapokalmärchen (wir sollten den übrigens gar nicht ausrichten, sondern nach UEFA-Koeffizient bestimmen, wer gewinnt) und Hector setzte dann das i-Tüpfelchen auf eine gute zweite Halbzeit.

An dieser Stelle möchte ich auch noch mal Maitland-Niles’ Leistung im Mittelfeld (nicht auf dem linken Flügel, da war er als Rechtsfüßer nicht besonders gut aufgehoben) hervorheben, die er beinahe mit einem Tor gekrönt hätte und die ganz offensichtliche Liebe der Fans zu Jack Wilshere, der trotz eher durchschnittlichen 20 Minuten für jede einzelne Aktion mit Applaus und Gesängen bedacht wurde. Ach ja, und props an Timo Horn, der sich erfolgreich in das Goldene Buch der Torhüter, die im Emirates nach anfänglich lethargischen Abstößen plötzlich magischerweise zum Balljungen sprinten können, eintragen konnte. Das ist wohl die Magie des Europapokals.

Beitrag bewerten

Karneval in London? 3/5 (2)

Just what the doctor ordered – Arsenal hatte mit Bournemouth offensichtlich den richtigen Aufbaugegner, hat Selbstvertrauen getankt und ist hoffentlich wieder in der Spur – wie genau, sehen wir dann wohl am Sonntag …

Aber erstmal gibt es noch ein spannendes Intermezzo: Europa League. Gegen den 1. FC Köln. Geil. Endlich mal wieder coole Gegner …

Den Wettbewerb haben beide Vereine schon lange nicht mehr gesehen: Arsenal zuletzt 2000 – nachdem sie von der CL in den UEFA-Cup (so hieß es damals) runter sind, haben sie das Endspiel erreicht, dieses aber nach Elferschiessen gegen Galatasaray verloren (grausam schlechtes Spiel …). Köln hingegen war schon seit 1992 nicht mehr dabei (und auch sonst nicht international unterwegs) – da sind sie in der ersten Runde mit 2-0/0-3 gegen Celtic ausgeschieden und wurde in der Liga 13. damals (Arsenal war gar nicht international dabei und wurde 10. in der Liga). Für beide Vereine also quasi Neuland.

Beide haben in diesem Wettbewerb aber schon einmal gegeneinander gespielt (damals noch Fairs Cup): 1970/71 traf Arsenal als Titelverteidiger im Viertelfinale auf den FC und ist mit 2-1/0-1 sogar ausgeschieden. Köln hat dann im Halbfinale gegen Juventus verloren, die wiederum das Endspiel gegen Leeds United verloren haben. Das waren noch Zeiten … (Bayern ist da z.B. auch im Viertelfinale gescheitert – an Liverpool). Ein Jahr später hat so´n Verein mit nem Hahn als Logo das Ding gewonnen … grrr, schnell schütteln …

2017 – eine neue Liga ist wie ein neues Leben? oder wie? manche bedauern ja, daß wir nicht mehr in der CL dabei sind, andere (ich auch) finden es auch mal ziemlich erfrischend, daß man mal nicht bei dem Operettenscheiß dabei ist. Endlich mal nicht dieses Kacklied vorm Anpfiff hören – allerdings sieht man das in London eher nicht so. Selten war auf Fanseite das Interesse an einem Spiel so gering wie jetzt für Köln (mal abgesehen vom Ligapokalspiel gegen Doncaster nächste Woche) – die Stimmungslage bei Arsenal ist ja eh ziemlich mies und die EL wird ja per se in England so was von gar nicht ernst genommen. Und dann auch noch donnerstags … noch nie habe ich so viele Tickets im Angebot gesehen auf der Ticket Exchange (das Spiel ist ja in der Dauerkarte inkludiert) – und dabei kosten die Karten nur 15 Pfund …

Und da kommen jetzt die Kölner, für die das Spiel wie Weihnachten, Kindergeburtstag und WM-Endspiel in einem ist – bis zu 10.000 Leute wollen rüberfahren und die Fanparty ihres Lebens feiern. Sollte recht lebendig werden in Islington …

Absolute Leidenschaft trifft auf momentane Bocklosigkeit sozusagen – und offiziell haben von den Kölnern nur 3.000 ein Ticket. Der Rest versucht kreativ zu sein oder aber gibt einfach viel Geld aus und, wie gesagt, das Verkaufsangebot könnte die Nachfrage klar befriedigen – allerdings gibt es in England generell normal keine Auswärtsfans in Heimbereichen und Arsenal hat das Spiel auch schnell auf ´ausverkauft´ gestellt, als sie der Nachfrage gewahr wurden. Auch jetzt noch sind ganze Blöcke oberhalb des Away Ends geblockt, was nahelegen könnte, daß da kurzfristig Kölnern noch zu Karten verholfen wird. Könnte nicht unlogisch sein, denn wo soll man ggf. mit den ganzen hochgradig animierten Kölnern hin? in die meisten Pubs kommen sie nicht rein und die anderen sind schnell voll (so was ähnliches gab es schon mal 2001 gegen Dortmund, da kannte in England noch niemand die Majas). We shall see ..

Es ist auf jeden Fall Leben in der Bude und Köln wird einen Wahnsinnssupport haben – mal gucken, ob die bei solchen Spielen gerne ziemlich lethargischen Gooner sich von der Stimmung anstecken lassen. Und nicht nur dadurch, sondern auch von einem richtig engagiertem Auftritt unserer Truppe. Man werde den Wettbewerb ernst nehmen, sagen natürlich alle und da gut durchrotiert wird (Sonntag geht´s zu Chelsea), kommen Leute an den Start, die dringend ein Ausrufezeichen setzen wollen sollten – Hattrick Alexis oder Giroud oder Walcott anyone?

Shut the Clock End up and let the North Bank dance ..

mit diesem Team vielleicht:

Ospina / Mertesacker, Holding, Chambers / Iwobi, Wilshere, Elneny, Maitland-Niles / Alexis, Giroud, Walcott

(und Reiss Nelson setzt nach seiner Einwechslung in der 84. noch entspannt einen drauf ..)

Leute, das sollte ein geiler Abend werden. Köln wird sich gut reinhauen für seine Leute, aber Arsenal wird hoffentlich in der Lage sein zu zeigen, was Sache ist. Viel Spaß!

UP THE GUNNERS!

 

Beitrag bewerten

My Arsenal is over the ocean … 5/5 (4)

… oh, bring back my Arsenal to me …

Willkommen in der immer wieder verstörenden Welt des Arsenal FC: als im Mai Arsene Wenger seinen Vertrag quasi selbst verlängert hat (Rente mit 67 ist für ihn ja kein Thema) hat man gleich gedacht: scheisse, das geht am besten mal gut … und da bei Arsenal selten mal alles gut geht, stehen wir jetzt hier nach schon drei Spieltagen vor einem gefühlten Abgrund und die Stimmung ist noch weiter im Keller als zuletzt im Frühjahr und das Goodwill gegenüber Arsenal und v.a. Wenger nimmt weiter rapide ab. Damals haben ja viele gegen die z.t. wirklich spackigen Proteste auch aufbegehrt in der Hoffnung, daß AW einen ihm gebührendem Abgang bekommt. Diesen hat er dann eigentlich auch mit dem Pokalfinale (und dem Sieg dort) präsentiert bekommen auf dem größten Silberteller der Geschichte – einziger Haken: er (und/oder der Verein) hat ihn nicht gesehen. Ziemlich tragisch. Jetzt haben wir den Salat. Oder, um Arseblog zu zitieren:

„They´ve made their bed – now they have to lie in it“

Der sportliche und administrative Offenbarungseid in Liverpool liegt immer noch schwer im Magen und Vergleiche mit dem 2-8 im OT hinken gewaltig: damals war Arsenal zumindest offensiv mehr als ebenbürtig und hat massenweise Torchancen, auch Elfmeter, versemmelt – jetzt war das, naja, was ist die Steigerung von gar nichts?

Was man nebenbei in Liverpool sehen kann: was für eine Begeisterung Verein und Umfeld erfasst haben, ausgelöst vornehmlich durch einen neuen Coach, der zudem recht cool daher kommt, einen Plan hat und mitunter mitreissenden Fußball spielen lässt (Ältere werden sich mit Wehmut an die ersten Wengerjahre erinnern). Ein neuer Trainer ist wie ein neues Leben … oder so (und sie brauchten das: Meister zuletzt vor 27 Jahren, in all der Zeit Geld verbrannt, als gäbe es Preise dafür, schräge Besitzer, in den letzten 11 Jahren nur einen Ligapokal gewonnen – nach Elfern gegen Cardiff ..).

Viele, viele Arsenalfans, v.a. solche, die gar keinen anderen Coach als AW bei uns kennen, wünschen sich ja schon seit Jahren schon aus dem Grund einen Wechsel, damit es mal Veränderung gibt und v.a. eben auch neue Hoffnung und nicht immer irgendwie ewig das Gleiche, wenn auch immer anders variiert (Ich hätte auch gern endlich mal jemand, der nicht nur von ´The way we want to play football´, sondern ab und an auch von ´The way we NEED to play football´ spricht). Die Chance war da im Mai – oder musste AW verlängern, weil es dem Verein nicht gelungen ist, einen adäquaten Nachfolger zu finden (und deswegen das Rumgeeier im Frühjahr)?

Nach der Verlängerung war klar, daß in Sachen Verstärkungen richtig was passieren muß. Fing auch gut an, dann … nichts. Zweimal in Folge kann man ganz oben nicht mitspielen, weil Santi nicht ersetzt werden kann. Reaktion? keine sichtbare. Irgendwie versucht AW immer wieder transfertechnische Zaubertricks (wenn die so, dann wir Mbappe etc.), die aber seit langem schon nicht mehr aufgehen, und er (und wir) am Ende immer die Wand anguckt. Tja, aber der Gottvater aller Luftpumpen, Ivan Gazidis, hat schon recht wenn er sagt, daß der Kader mit den Neuen eigentlich besser ist als vorher – weg sind ein paar Bankspieler und mit Ox ein ewiges Talent, dafür steht mit Nelson ein vielversprechendes neues bereit. Jetzt hat Arsenal also sogar Profit gemacht im Sommer (T´ham im übrigen auch!) – Das ist in der Konstellation einfach absurd und die ganzen offenen Baustellen sorgen für einen unruhigen Herbst und Winter. Hätte nicht sein müssen ..

Nach dem Drama der letzten Woche wird jetzt endlich wieder Fußball gespielt und Arsenal steht entsprechend mit dem Rücken an der Wand – aber das kennen sie ja: die ´bounce back´-Nummer ist ja irgendwie unser Ding: etwas läuft scheisse, die Reaktion ist positiv, dann läuft es gut bis sehr gut, man denkt, ach, ist doch gar nicht so schlimm, im Gegenteil, da geht doch was .. oder? oder eben auch nicht, denn irgendwie kriegt Arsenal es immer wieder hin, sich Knüppel zwischen die Beine zu werfen – The Arsenal way …

Aber es ist ja, wie es ist und scheisse nochmal, kein Grund den Sand in den Kopf zu stecken (vielleicht gibt´s ja Bonuspunkte fürs zitieren ..). Also, her mit einem verdammt nochmal überzeugenden Heimsieg gegen Bournemouth (nicht auf DAZN nebenbei – da läuft LCFC-CFC) und dann regnet es am Wochenende vielleicht etwas weniger …

Was für Zeiten, Arsenal-Fan zu sein (Bauern kann ja jeder …), aber wir laufen natürlich nicht weg, im Gegenteil, Arsenal Germany hat jetzt schon mehr Mitglieder als in der Vorsaison und die Zahl der Ticketvorbestellungen für das Spiel in Köln (die nebenbei in Masse zu einer Riesenparty nächste Woche in London anrücken und in Sachen aktueller Vereinsleidenschaft den genauen Kontrapunkt zu Arsenal setzen momentan. Wird sicher interessant ..) ist jetzt schon deutlich höher als bei jedem Spiel in Deutschland vorher.

Und was für eine Zeit, ausgerechnet jetzt sein erstes Arsenal-Spiel zu sehen. Unser Mitglied Jojo Waack (der hier auch schon öfter geschrieben hat, z.B. die Monatszusammenfassungen) weilt zur Zeit für eine Art Auslandspraktikum in London und wird gegen Bournemouth seine erstes Spiel besuchen (und danach dann gegen Köln usw.). Er wird uns hier davon berichten – über das Spiel, die Stimmung im Stadion, im Umfeld und überhaupt. Freuen wir uns drauf!

UP THE GUNNERS !

(ffs)

Guck an: gestern abend hat die U23 von Arsenal entspannt 2-0 bei ManU gewonnen. Geht doch. Torschütze u.a.: Reiss Nelson (wie schon unter der Woche für Englands U-irgendwas). Tippe mal, von dem Jungen werden wir noch mehr hören und sehen

 

Beitrag bewerten